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«Active Sourcing – Was ist das?» Im Interview Michael Schwab

Im Rahmen eines Events des Netzwerks Seeland von HR Bern Event erklärte Michael Schwab (MS), langjähriger Recruiter, der das Active Sourcing von der Pike aus kennt, die ähnlichen Recruiterbegriffe im Active Sourcing und liefert uns dazu ein besseres Verständnis.
25. März 2020 - Ann Bosshard, HR Bern Vorstandsmitglied

HR BERN: Sourcing versus Active Sourcing, was meint man damit?

Michael Schwab: Da muss man berücksichtigen mit wem man spricht. Wenn ein Recruiter von Sourcing spricht, meint er Active Sourcing. Wenn man jedoch mit jemandem von Procurement (im Einkauf) spricht, dann meint dieser mit Sourcing seine Einkaufsstrategie, z.B. das Angehen von Dienstleistern oder das Einkaufen von Fertigungsmaterialien. Ein Einkäufer könnte nun auch von "Active Sourcing" sprechen, wenn er proaktiv neue Dienstleister angeht, um seine Einkäufe zu optimieren, statt sich von neuen Verkäufern ansprechen zu lassen.

Ich denke eine wichtige Voraussetzung ist das Verständnis was Active Sourcing ist und was nicht. Active Sourcing ist kein Heilsbringer in der Personalbeschaffung, den man wie eine Trophäe wo hinstellen kann und dann ist gut. Es ist eher wie das beackern eines kargen Bodens, an dem man jeden Tag arbeiten muss, bis sich fruchtbarer Boden zeigt, um den dann nachhaltig zu bewirtschaften. Active Sourcing ist, wie der Name schon sagt, aktiv. Wenn man das mal verstanden hat, soll man sich auf eine Strategie einigen und diese dann konsequent verfolgen („ein Ziel vor Augen haben“). Dabei werden automatisch Widerstände auftauchen, die man dann lösen soll (und nicht dort weitermachen wo der Widerstand am geringsten ist). Später kann die Strategie angepasst werden, aber bitte nicht aus Komfortgründen! Ein dritter Punkt ist der Active Sourcing Mindset. Das beinhaltet sicherlich Neugierde, Lösungsorientierung, Begeisterungsfähigkeit und auch die Fähigkeit sich durchzusetzen. Systeme braucht es klarerweise auch, doch da sehe ich nicht wirklich eine Voraussetzung. Denn die Nutzung des Systems wird eher durch Active Sourcing beeinflusst. Jedoch kann ein für die Firma geeignetes System die Effizienz von Active Sourcing massiv unterstützen.

 

HR BERN: Welche „Tools“ werden für ein Active Sourcing bevorzugt?

Michael Schwab: Je nach Recruiter, bevorzugt er andere Tools. Ich kenne Recruiter welche nur auf Xing suchen, weil sie sich dort wohlfühlen. Andere nutzen LinkedIn. Manche telefonieren lieber, andere nutzen Video-Gespräche (Skype, Facetime, WhatsApp, Zoom, etc.). Da muss man die bestehenden „Tools“ der Firma anschauen und wie sie benutzt werden und welche noch benutzt werden können, um nicht das Rad nochmals zu erfinden. Selbstorganisation ist jedoch ein grosser ausschlaggebender Faktor. Vorgaben sind gut, jedoch sollten diese nicht zu stringent sein, da jeder Recruiter anders arbeitet und sich selbst organisieren sollte.

 

HR BERN: Wie wichtig ist das Netzwerk? Geht es auch ohne?

Michael Schwab: Ohne Netzwerk, kein Active Sourcing, ganz einfach. Es ist ein Peoplebusiness und es braucht einen Rapport zum Gegenüber. Ein Beispiel: Der Angesprochene muss für sich relevante Punkte aus der Ansprache des Recruiters sehen, um mit ihm ins Gespräch zu kommen. Sonst kommt das Gespräch nicht zustande. Das Wichtigste am Active Sourcing ist der Prozess selbst. Active Sourcing ist nicht «einfach mal Leute auf Business Plattformen anschreiben» und gut ist. Wenn sich die angesprochene Person meldet, dann muss ich diese Person durch den Prozess führen. Denn wenn es bei der Firma in Vergessenheit geht oder nicht geantwortet wird, ist es wie ein Ghosting und kann einen Imageschaden beim Interessenten auslösen. In diesem Fall wird Active Sourcing sogar schädlich für die Firma, wenn es keinen Prozess gibt. Der Prozess ist firmen-individuell und wird durch ihre Tools unterstützt. Da muss jedoch zuerst noch das Mindset kommen, dass angesprochene Kandidaten, auch nach Abschluss der Position nicht unkommentiert stehen gelassen werden.

Um noch eine weitere Voraussetzung aufzuzählen ist die Freude des Recruiters am Menschen und dem Gespräch selbst. Meine Gespräche sind über die Jahre immer länger geworden, da ich nicht mehr lediglich die Anforderungen an die Stelle und die Salärerwartungen abhole, sondern auch über die Interessen des Kandidaten, seine Ansicht der Dinge in seinem Fach usw. spreche. Dies hebt mich von anderen Recruitern ab, sodass der Kandidat eher mit mir in einen Prozess geht und dies fördert zusätzlich noch mein Verständnis des Fachgebietes.

Active Sourcing kann maschinell sehr gut unterstützt werden, aber  letztendlich wird in einem Gespräch immer der menschliche Faktor überhandnehmen und dort passiert dann auch die Entscheidung.

HR Bern: Herzlichen Dank für Ihre Zeit Herr Schwab.


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