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Interne Kommunikation – ein «Stiefkind»?

Wie verändert sich die interne Kommunikation in der digitalen Transformation? Eine Studie des IAM Institut für Angewandte Medienwissenschaft der ZHAW zeigt den Status Quo des internen Kommunikationsmanagements in ausgewählten mittelgrossen Schweizer Unternehmen auf – mit ernüchternden Ergebnissen.
01. Juli 2020 Michaela Geiger

Sicher ist: Die digitale Transformation ist auf Kommunikation angewiesen und verändert diese zugleich massgeblich. Auch die interne Kommunikation verändert sich rasant und stellt Unternehmen vor grosse Herausforderungen. Dies galt bereits vor der Corona-Krise. Doch der Digitalisierungsschub, der durch die Krise in vielen Organisationen ausgelöst wurde, hat diese Entwicklung enorm beschleunigt.

Die Studie von Katharina Krämer, Dozentin, Forscherin und Beraterin, von Markus Niederhäuser, Leiter Weiterbildung, Dozent, Forscher und Berater sowie von Nicole Rosenberger, Professorin und Leiterin des Forschungs- und Arbeitsbereichs «Organisationskommunikation und Management» am IAM Institut für Angewandte Medienwissenschaft der ZHAW Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften wurde noch vor der Corona-Krise von September 2019 bis Februar 2020 durchgeführt.

Prof. Dr. Nicole Rosenberger, stellvertretende Institutsleiterin des IAM, erläutert: «Mit dem digitalen Arbeitsplatz halten Kollaboration und Dialog im Alltag von Führungskräften und Mitarbeitenden Einzug. Beides hat sehr grosse Auswirkungen auf die Ziele, Aufgaben und Instrumente der internen Kommunikation. Wir wollten wissen, wo und vor welchen Herausforderungen mittelgrosse Unternehmen in diesem Wandel stehen.»

Die Leitfadeninterviews mit 12 Kommunikationsverantwortlichen zeigen im Kern auf, dass der Stellenwert, den die interne Kommunikation in Unternehmen einnimmt, immer noch zu wünschen übrig lässt. «Interne Kommunikation ist bei uns ein bisschen ein Stiefkind» – dieses Zitat eines Befragten veranschaulicht aus Sicht der Studienautoren den Status Quo: In der überwiegenden Anzahl der Unternehmen bleiben gemäss der Befragung nur sehr wenig Stellenprozente für Aufgaben des internen Kommunikationsmanagements. So gab die Kommunikationsverantwortliche einer Organisation mit 500 Mitarbeitenden an, dass lediglich 15 Stellenprozente für die interne Kommunikation zur Verfügung stehen.

Auch die Art der Kommunikation entspricht oft noch traditionellen Denkmustern: Das Intranet, so die Beobachtung der Wissenschaftler, bietet heute in Unternehmen noch «viel Information, wenig Kommunikation und sehr selten Kollaboration.“  Im Fazit zur Studie werden die Herausforderungen deutlich:

  1. Die interne Kommunikation verfügt über sehr knappe Ressourcen.

  2. Das Hauptziel ist nach wie vor die Information der Mitarbeitenden, wenn auch der Dialog vermehrt ins Zentrum rückt. Die kommunikative Partizipation der Mitarbeitenden ist jedoch noch deutlich steigerungsfähig.

  3. Zu den grössten Herausforderungen zählen die Erreichbarkeit der Mitarbeitenden sowie die Vielzahl an Kanälen und Tools.

  4. Viele Unternehmen arbeiten mit veralteten Intranet-Lösungen. Ein digital Workplace ist vielerorts noch nicht State-of-the-Art.

 

Die Erkenntnisse der Studie werden im Blog der ZHAW in Beiträgen der Reihe «Interne Kommunikation im Wandel» mit Handlungsempfehlungen vorgestellt. Das beschriebene Projekt ist Teil des Themenschwerpunktes «Digitale Transformation und Kommunikation» des Arbeits- und Forschungsschwerpunktes Organisationskommunikation und Management am IAM Institut für Angewandte Medienwissenschaft der ZHAW Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften. Die Studie wurde auf Anregung und mit einer Teil-Finanzierung durch die Firmen isolutions AG (www.isolutions.ch) und ahead AG (www.aheadintranet.com) ermöglicht.

 


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