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Neue Aufgaben für HR beim Thema Purpose

Obwohl der Zweck eines Unternehmens - also der sogenannte Purpose - immer wichtiger wird, kann mehr als die Hälfte der Fach- und Führungskräfte diesen für die eigene Organisation nicht benennen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von Kienbaum und Human unlimited. Die Analyse zeigt auch, wo HR ansetzen kann.
16. Oktober 2020 Michaela Geiger

Was treibt Unternehmen an? Was ist ihr Daseinszweck über die reine Profitorientierung hinaus? Diese Fragen rücken mit Blick auf Ereignisse wie die Klimadebatte, der Dieselskandal oder die Corona-Pandemie immer stärker in den Mittelpunkt. Über betriebswirtschaftliche Kennzahlen hinaus schauen (potenzielle) Mitarbeitende ebenso wie Kunden, Lieferanten und Aktionäre auf die Existenzberechtigung von Unternehmen und den Mehrwert, den diese schaffen.

 

Bedeutung des Purpose für Unternehmen: Ohne Sinn hat alles keinen Zweck

Für die Studie «Purpose. Die grosse Unbekannte» hat die Personal- und Managementberatung Kienbaum in Kooperation mit Human unlimited rund 1300 Fach- und Führungskräfte im deutschsprachigen Raum befragt. Das Kienbaum Institut ISM ging unter anderem den Fragen nach, wie sich ein positiv wahrgenommener Purpose auf die Menschen im Unternehmen sowie auf die Gesamt-Performance auswirkt und wer für Entwicklung und Umsetzung des Purpose verantwortlich ist. Danach, so Kienbaum-CEO Fabian Kienbaum, steht Purpose in einem positiven Zusammenhang zur Performance, zur Kundenorientierung und zur Innovation. Mehr als die Hälfte der Studienteilnehmer (56 Prozent) gibt an, dass vor allem die Geschäftsführung für die Umsetzung und Kommunikation des Unternehmens-Purpose verantwortlich ist. Allerdings erwarten die Befragten diesbezüglich von der HR-Funktion mehr Einsatz (plus 14 Prozent).

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Zusammenhang zwischen Purpose und Zufriedenheit

Auffällig ist als Ergebnis der Studie, dass rund sechs von zehn Befragten (59 Prozent) den Zweck ihrer eigenen Organisation nicht ad hoc benennen können. Die Studienautoren führen das jedoch nicht darauf zurück, dass Unternehmen per se keinen Purpose besitzen, sondern dass dieser für die Arbeitnehmenden auf den ersten Blick nicht erkennbar ist. «Wir haben in der Praxis die Erfahrung gemacht, dass es auf dem Weg von der Kommunikation zur Implementierung des Unternehmenspurpose grosse Übertragungslücken gibt, die für massiven Kraftverlust sorgen. Die Zahlen sind deutlich», sagt Frank Dopheide, Gründer der Agentur Human Unlimited.

Andererseits bemerken drei Viertel der Befragten (75 Prozent), die den Purpose kennen, dass sich ein gelebter Purpose positiv auf die Zufriedenheit der Fach- und Führungskräfte auswirkt. Entsprechend sieht Studienleiter Prof. Dr. Walter Jochmann, Managing Director und Partner bei Kienbaum, einen deutlichen Mehrwert für Unternehmen, die einen klaren Purpose kommunizieren und leben: Unternehmenspurpose werde erst durch Menschen zum Leben erweckt und kann so einen Mehrwert für die Organisation schaffen, so Jochmann.

 

Beschäftigte wünschen sich mehr Engagement von HR

Doch welche Unternehmensbereiche sind letztlich für die Umsetzung des Purpose verantwortlich? Die Realisierung wird mehrheitlich (56 Prozent) als eher top-down denn als bottom-up beschrieben. Der CEO beziehungsweise die Geschäftsführung ist oft federführend für den Purpose verantwortlich und soll das nach Meinung des Grossteils der Befragten auch bleiben. Gleichzeitig wird ersichtlich, dass sich die Umfrageteilnehmer eine stärkere Beteiligung der internen Kommunikation und vor allem von HR wünschen. Bei der Frage, ob die Personalabteilung aktuell für die Umsetzung des Purpose verantwortlich ist, erreicht HR auf einer Skala von 1 (überhaupt nicht) bis 6 (immer) einen Durchschnitt von 4.2. Bei der Frage, ob sich HR bei der Entwicklung und Einführung beteiligen soll, beträgt dieser Wert 4.8.

 

Purpose: HR in der Rolle als Change Agents und Partner des Top-Managements

Wie kann HR aktiv zur Entwicklung, Implementierung und zum Erhalt eines effektiven Purpose beitragen? Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass HR als Business Partner zusammen mit der internen Kommunikation die Mitarbeiter informieren und abholen muss, um den Purpose im Unternehmen nachhaltig zu verankern. Studienleiter Prof. Walter Jochmann erkennt einen deutlichen Mehrwert für Organisationen, die einen klaren Purpose kommunizieren und leben: «Unternehmenspurpose wird erst durch Menschen zum Leben erweckt und kann so einen Mehrwert für die Organisation schaffen. Wir haben festgestellt, dass 75 Prozent der Befragten den positiven Einfluss eines gelebten Unternehmenspurpose auf ihre Zufriedenheit bemerken. «Die Personalfunktion muss den durch die Geschäftsführung angestossenen Entwicklungsprozess von Anfang an begleiten. Der Personalfunktion kommt so eine funktionale Rolle als Partner des Top-Managements und als Change Agent zu», sagt Jochmann. Die Studienautoren plädieren ausserdem für einen stärker partizipativen Ansatz, indem Mitarbeiter aus allen Bereichen in den Purpose-Prozess einbezogen werden.

 

Die Studie steht zum Download zur Verfügung.


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