News

Frauen im Top-Kader: Langsame Fortschritte

Schweizer Unternehmen werden weiblicher: Die Frauenanteile steigen sowohl in den Verwaltungsräten als auch in den Geschäftsleitungen der 100 grössten Arbeitgeber. Der öffentliche Sektor ist weiterhin Vorreiter.
10. März 2019 Michaela Geiger

Wie aus dem Schillingreport 2019 hervorgeht, wurden 38 Prozent (Vorjahr: 25 Prozent) der vakanten VR-Sitze mit einer Frau besetzt. Damit knackt der Frauenanteil in den Verwaltungsräten erstmals die 20 Prozent-Marke und steigt von 19 Prozent auf 21 Prozent. «Noch nie wurden so viele vakante VR-Sitze mit Frauen besetzt wie dieses Jahr», sagt Guido Schilling vom gleichnamigen Zürcher Executiv-Search-Unternehmen. «Allerdings reicht ein Wachstum von zwei Prozentpunkten pro Jahr nicht aus, um bis 2022 die magische Marke von 30 Prozent Verwaltungsrätinnen zu knacken. Die VR-Präsidenten und Nominationskomitees sind gefordert, einen noch grösseren Effort zu leisten, um dieses ambitionierte Ziel ohne Regulierung zu erreichen», betont er und stellt fest: «In meinem beruflichen Alltag erlebe ich bezüglich Gender Diversity ein stark gesteigertes Bewusstsein. Unternehmen geben sich diesbezüglich immer öfter klare Vorgaben», so Schilling. 88 Prozent der Unternehmen beschäftigen mindestens eine Verwaltungsrätin.»

 

Nachholbedarf in Chefetagen

Nach dem letztjährigen Rückgang des Frauenanteils auf 7 Prozent in den Geschäftsleitungen klettert dieser erstmalig auf 9 Prozent. Die SMI-Konzerne verzeichnen 10 Prozent Frauen in den Geschäftsleitungen und 24 Prozent in den Verwaltungsräten. Die Unternehmen haben für 18 Prozent (Vorjahr: 8 Prozent) der offenen Geschäftsleitungsposten Frauen berufen. In nur 49 Prozent (Vorjahr: 41 Prozent) der Unternehmen sitzen Frauen in der Geschäftsleitung. «Nach wie vor bleibt ein ausgewogener Gender Mix in den Geschäftsleitungen ein Generationenprojekt. Wir können diesem Thema in Zeiten von Fachkräftemangel und abflachender Migration nicht genügend Aufmerksamkeit schenken», meint Herausgeber Guido Schilling

 

Veränderungen bei Elternurlaub und Arbeitszeiten

Dabei gibt es bereits viele Ansätze, die Gender Diversity in Unternehmen zu fördern. So hat etwa Nestlé jüngst einen Plan verabschiedet, den Frauenanteil bis 2022 in den 200 wichtigsten Führungspositionen auf 30 Prozent zu erhöhen. Dazu fördert der Lebensmittelkonzern zum Beispiel bezahlten Elternurlaub und flexible Arbeitszeiten sowie spezielle Mentoring-Programme.

Nach einem Bericht der Handelszeitung gibt es in der Schweiz allerdings nur ein Unternehmen, bei dem der Frauenanteil in den Chefetagen mehr als 25 Prozent ausmacht: Zurich hat demnach drei Frauen im Top-Management. Ansonsten verfügen nur Roche, Novartis und UBS über je zwei Konzernleitungs-Managerinnen. Alle anderen haben nur eine oder gar keine Prozentfrau.

Insgesamt gibt es laut Handelszeitung heute 16 Schweizer Unternehmen, die komplett auf Frauen im Verwaltungsrat verzichten. Dazu gehören beispielsweise Alpiq, Gategroup, Oerlikon oder Stadler.

 

Mehr Top-Kader im öffentlichen Sektor

Der Schillingreport 2019 zeigt auch spannende Aspekte der Zusammensetzung der obersten Führungsgremien im öffentlichen Sektor. Mit 47 Prozent (Vorjahr: 53 Prozent) wurden weniger Top-Kader intern berufen. 46 Prozent der neuen weiblichen Top-Kader entwickelten sich intern, während es bei den Männern 48 Prozent waren.

 

Spitzenwert bei internen Beförderungen

68 Prozent (Vorjahr: 64 Prozent) der offenen Geschäftsleitungspositionen wurden intern besetzt. 64 Prozent (Vorjahr: 22 Prozent) der neuen weiblichen Geschäftsleitungsmitglieder wurden intern befördert. «2018 war ein Ausreisser, noch nie wurden derart wenige Frauen intern in die Geschäftsleitungen berufen. Dafür verzeichnen wir in diesem Jahr einen Spitzenwert sowohl bei den Frauen als auch bei den Männern», meint Schilling. «Ein externes Geschäftsleitungsmitglied muss immer zwei Hürden nehmen: Es muss seinen Platz im Gremium sowie den Anschluss an das Unternehmen finden. Deshalb sind interne Entwicklungen zu begrüssen.»

 

Gender-Diversity-Pipeline im Fokus

Um zukünftige Entwicklungen mit Blick auf den Frauenanteil in Geschäftsleitungen zu antizipieren, ist die Gender-Diversity-Pipeline wichtig. Für diese Erhebung stellen Unternehmen, bzw. die Kantone und der Bund, im Zweijahresrhythmus Daten für den Schillingreport zur Verfügung. Dieses Jahr liegen aktuelle Daten vor. Demnach finden sich in den Erhebungen zuIm Sample des Private Sector finden sich 10 Prozent (2017: 9 Prozent) Frauen in den Geschäftsleitungen, 16 Prozent (2017: 14 Prozent) im Topmanagement und 24 Prozent (2017: 21 Prozent) im mittleren Management. «Diese Verbreiterung der Gender-Diversity-Pipeline legt die Basis für eine zukünftig positive Entwicklung den Geschäftsleitungen», meint Schilling. Der Public Sector verfügt mit 22 Prozent (wie 2017) Frauen im Topmanagement und 28 Prozent (2017 24 Prozent) im mittleren Management über eine deutlich breitere Gender-Diversity-Pipeline als der private Sektor.

Der Schillingreport 2019 umfasst die 117 grössten Arbeitgeber der Schweiz sowie den Bund und alle 26 Kantone. Entsprechend wurden 875 Geschäftsleitungs-, 820 Verwaltungsratsmitglieder sowie 1034 Führungskräfte des öffentlichen Sektors (Amtsleiter/innen, Generalsekretäre, Generalsekretärinnen und Staatsschreiber/innen) in die Untersuchung einbezogen. Für die Gender-Diversity-Pipeline stellten 2019 126 der 250 wichtigsten Schweizer Unternehmen sowie 14 Kantone und der Bund ihre Daten zur Verfügung.

Der vollständige Report kann in den Sprachen Deutsch, Französisch und Englisch ab Mitte Mai online unter www.schillingreport.ch bezogen werden.


Webdesign by Multi Digital