News

Novartis bietet 14 Wochen Vaterschaftsurlaub an

Der Basler Pharmakonzern Novartis prescht mit einer für die Schweiz grosszügigen Vaterschaftsregelung voran. Von 1. Juli 2019 an dürfen frisch gebackene Väter 14 Wochen Vaterschaftsurlaub nehmen. Gesetzlich vorgeschrieben ist nur ein einziger Tag.
03. März 2019 - PD/MIG

Heute bekommt ein frisch gebackener Vater in der Schweiz gleich viel bezahlte freie Zeit wie bei einem Wohnungswechsel: Einen Tag! (Bild: Fotostorm Getty Images)

 

Bislang erlaubte Novartis Vätern, bei der Geburt eines Kindes sechs Tage bezahlt freizunehmen. Das Unternehmen ermöglicht Vätern mit Kindern zudem unbezahlten Urlaub bis zu einem Jahr.

Bei nahezu Vollbeschäftigung und Fachkräftemangel wolle Novartis mit guten Sozialleistungen Mitarbeiter gewinnen, sagte Matthias Mölleney, Präsident der Zürcher Zürcher Gesellschaft für Personal-Management ZGP, dem Sender SRF. «Ein langer Vaterschaftsurlaub gehört zur Attraktivität eines Arbeitgebers.»

 

Grosszügiger als der Gesetzgeber

Einige Firmen und Behörden in der Schweiz sind bereits grosszügiger, als vom Gesetzgeber verlangt. Dies reicht von einer Woche voll bezahltem Vaterschaftsurlaub, wie zum Beispiel bei SBB, Ikea, Novartis oder Raiffeisen, bis hin zu vier Wochen, wie bei Microsoft, der Alternativen Bank Olten oder der Katholischen Kirche im Kanton Zürich. Die Bank Credit Suisse hat gerade von fünf auf zwölf Tage erhöht, bei der Bank UBS gibt es zehn Tage. Das

Pharmaunternehmen Roche bietet sechs bezahlte Vaterschaftstage. Manche Unternehmen bieten ihren Angestellten freiwillig mehr. Viele Unternehmen sind bis heute aber bei nur einem oder wenigen Sonderurlaubstagen für frischgebackene Väter geblieben.

 

Gericht soll Sonderurlaub klären

Um den Vaterschaftsurlaub tobt seit langem Streit. 180 Organisationen haben Unterschriften gesammelt, um einen Sonderurlaub für Väter von vier Wochen per Volksabstimmung zu erzwingen. Mit einem Musterprozess soll der Vaterschaftsurlaub vor Gericht erstritten werden. Einen Termin dafür gibt es noch nicht. Bislang scheiterten verschiedene Vorstösse und Modelle, einen längeren Vaterschaftsurlaub oder eine gemeinsame Erziehungszeit gesetzlich festzulegen, immer wieder am Geld.

 

Vorbild Skandinavien

Im europäischen Vergleich hinkt die Schweiz den Nachbarn stark hinterher. Dänemark beispielsweise kennt einen bezahlten Mutterschaftsurlaub von 28 Wochen, wovon zehn Wochen auf Väter übertragen werden können. In Finnland dauert die bezahlte Auszeit ein Jahr, die ersten 21 Wochen sind für die Mutter festgelegt, die übrigen 31 Wochen dürfen sich die Eltern teilen. Schweden kennt einen bezahlten Elternurlaub von 15 Monaten, davon mindestens einen Monat für den Vater. Im Nachbarland Deutschland haben Angestellte gesetzlichen Anspruch auf Elternzeit mit etwa zwei Dritteln des Nettoeinkommens. Er dauert bis zu 14 Monate, wenn der Vater auch mindestens zwei Monate Babypause macht.


Webdesign by Multi Digital