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Achtsame (Selbst-)Führung

Um auf die Herausforderungen der modernen Arbeitswelt adäquat zu reagieren, sollten Führungskräfte lernen, ihre gewohnten Reiz-Reaktionsmuster zu durchbrechen. Eine achtsame Selbstführung, auch Mindful Leadership genannt, hilft dabei.
06. März 2020 - Silke Engelke, Uwe Reusche

Die Digitalisierung und ihre Auswirkungen fordern und belasten die Führungskräfte der Unternehmen in vielfältiger Weise, denn: Neben der Zahl und Komplexität ihrer Aufgaben steigen auch die Erwartungen an die Mitarbeitendenführung.

Deshalb stellt sich für viele Führungskräfte die Frage: Wie kann ich in diesem Umfeld noch

  • den Durchblick behalten,
  • meine Mitarbeitenden durch den Dschungel der Veränderungen führen und zugleich
  • die Freude an meinem Job bewahren?

Mehr Achtsamkeit beim Führen der eigenen Person und der Mitarbeitenden – auch Mindful Leadership genannt – stellt ein möglicher Lösungsansatz dar.

 

Achtsam führen in der neuen, agilen Arbeitsweit

„Mindfulness“, also Achtsamkeit, ist eine besondere Form der Konzentration, bei der man bewusst wahrnimmt, was im Moment ist und geschieht, ohne dies zunächst zu beurteilen. Die positiven Wirkungen von Achtsamkeit auf die geistigen und körperlichen Vorgänge sind wissenschaftlich belegt.

Ein wichtiger Vorreiter in diesem Bereich war Prof. Dr. Jon Kabat-Zinn, ein emeritierter Professor der University of Massachusetts Medical School in Worcester, mit seinem Programm MBSR (Mindfulness Based Stress Reduction). MBSR ist ein achtwöchiges Trainingsprogramm, um nachhaltig besser mit Stress und den Herausforderungen im Leben umzugehen. Hauptinhalte sind verschiedene Formen der Meditation und die gezielte Entwicklung der Achtsamkeit im Alltag.

Entwickelt wurde das Programm in den 70iger Jahren von Jon Kabat-Zinn und seinem Team. Seitdem wird es weltweit erfolgreich angewendet. Wissenschaftliche Studien belegen seine positiven Effekte nicht nur auf der psychologischen, sondern auch neuronalen Ebene (Gehirnstrukturen verändern sich positiv).

 

Die Selbststeuerungsfähigkeit erhöhen

Im Zentrum des Programms steht die Entwicklung der Selbststeuerungsfähigkeit durch eine erhöhte (Selbst-)Wahrnehmung. Sie ermöglicht es, unbewusst wirkende Denk-, Fühl- und Verhaltensmuster in uns erkennen und ausser Kraft zu setzen. Durch diese Form des Bewusstseins-Managements entsteht Raum für neues, der Situation angepasstes (Führungs-)Verhalten, denn: Zwischen dem jeweiligen externen Reiz und unserer Reaktion vergeht stets eine kleine Zeitspanne. In ihr können wir unsere Antwort bzw. Reaktion auf den Reiz bewusst wählen. Die achtsame Wahrnehmung dieses inneren Prozesses ermöglicht es, unserer Intuition zu folgen und unser Verhalten zu steuern.

Auch den Unternehmen bietet ein Steigern der Achtsamkeit ihrer Führungskräfte vielversprechende Möglichkeiten. Durch Mindful Leadership können Führungsaufgaben authentischer und erfolgreicher wahrgenommen werden. Diese positive Wirkung erkannte Google bereits 2007 und etablierte unternehmensweit ein Programm namens „Search inside yourself“: eine Art Achtsamkeits-Programm.

Viele Unternehmen – wie SAP, Bosch, IBM und andere – folgten diesem Beispiel. Auch KMU haben inzwischen die Wirkung von Achtsamkeit für sich entdeckt und bieten ihren Führungskräften (und Mitarbeitenden) spezielle Programme und Trainings an, denn: Ein wenig selbst-reflektives und sich seiner negativen (Neben-)Wirkungen nicht bewusstes Führungsverhalten kann für Unternehmen teuer werden. Studien belegen unter anderem seinen negativen Einfluss auf die Zufriedenheit der Mitarbeitenden, deren Produktivität sowie die Fehlzeiten und Fluktuation. Durch ein achtsamkeit-basiertes Leadership-Programm kann somit zugleich das Stresslevel der Führungskräfte gesenkt und zugleich der Unternehmenserfolg gesteigert werden.

 

Die positiven Wirkungen einer erhöhten Achtsamkeit

Genannt seien folgende positiven Wirkungen:

Unternehmen – unter anderem:

  • höhere Produktivität aufgrund effektiverer Führungsarbeit,
  • höhere Motivation und Zufriedenheit im Team,
  • weniger krankheitsbedingte Fehltage,
  • qualitativ höherwertige (Projekt-)Arbeit durch ein vernetzteres proaktives Handeln,
  • höhere Arbeitsidentifikation aufgrund eines Mitarbeitendenorientierten Betriebsklimas

 

Führungskräfte – unter anderem:

  • Konzentrationsfähigkeit und Kreativität steigen,
  • Aufbau nachhaltiger Stressbewältigungsstrategien,
  • verbesserte Selbst- und Fremdwahrnehmung,
  • Ausbau wichtiger Führungskompetenzen (u.a. Emotionale Intelligenz, Entscheidungsfähigkeit),
  • höhere Empathie und Netzwerk-Kompetenz,
  • flexiblerer Umgang mit (neuen) Herausforderungen, höhere Changekompetenz.

 

Bessere Führung durch bessere Selbstführung

Vor ein, zwei Jahrzehnten wirkte das Thema Achtsamkeit noch exotisch, heute ist Achtsamkeit eine wissenschaftlich belegte, bedeutende Führungskompetenz. Mindful Leadership ermöglicht es, herausfordernde Situationen neu wahrzunehmen und deshalb neue, kreative Problemlösungen zu finden.

Die Basis für eine achtsame Führung ist eine bewusste Selbstführung. Achtsame Führungskräfte sind klar bezüglich ihrer Selbst und ihrer Werte, Einstellungen und Motive. Um eine nachhaltige Veränderung im Verhalten zu bewirken, bedarf es Zeit und ein regelmässiges Üben. Das heisst für Führungskräfte konkret zum Beispiel täglich 20 Minuten in sich investieren und die eigene Achtsamkeit beispielsweise durch Meditation trainieren.

 

 

Zu den Autoren:

Uwe Reusche ist einer der beiden Geschäftsführer des ifsm Institut für Sales & Managementberatung

Silke Engelke arbeitet unter anderem als Achtsamkeitstrainerin und -beraterin für ifsm.


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