News

Auch jüngere Informatiker trifft Arbeitslosigkeit

Ein Diplom in einem angesagten Beruf verhindert Arbeitslosigkeit? Und wenn schon ohne Job, dann trifft es eher 50plus? Diese Einschätzungen stimmen für die neue Arbeitswelt nicht mehr. Zumindest nicht im Kanton Zürich.
26. August 2020 Michaela Geiger

Es seien nicht die «50plus», die sich nun vermehrt beim RAV melden, sondern zuerst Jüngere mit einem höheren Abschluss. «Das zeigen unsere exklusiven Analysen», schreibt Autor Marcel Gamma in einem Artikel auf «inside IT» am 13. August. Demnach meldete der Kanton Zürich einen markanten Zuwachs an arbeitslosen Informatikern während der vergangenen zwölf Monate. Im Juli 2019 waren noch 559 Informatiker im Kanton Zürich arbeitslos gemeldet, im Juli 2020 sind es nun 854, wie das kantonale Amt für Wirtschaft und Arbeit AWA meldet.

Damit nahm die Arbeitslosigkeit in Informatikberufen um 52,8 Prozent zu. Im Vergleich zu anderen Berufsfeldern und Branchen, die entweder ein wesentlich niedrigeres Wachstum an Arbeitslosen verzeichnen (Versicherungen plus 17,6 Prozent) oder ein viel höheres (Gastgewerbe plus 116,3 Prozent), rangieren Informatiker damit nur im Mittelfeld.

Insgesamt werden seit Beginn der «Corona-Lockdown-Phase» jeden Monat etwas mehr arbeitslose Informatik-Fachleute verzeichnet: im April 2020 waren 793 beim RAV gemeldet, im Mai 815 und im Juni 847.

Welche Informatik-Berufsbilder wie stark unter den Arbeitslosen vertreten sind, wird vom AWA nicht ausgewiesen. Auf Anfrage von «inside IT» zu den für Juni beim RAV gemeldeten Informatiker zeigt sich: Zumindest für die «Corona-Kurzarbeitsphase» lässt keine Altersdiskriminierung belegen: Es waren nicht ältere Informatiker, die beim RAV gemeldet waren. Dagegen stieg die Zahl arbeitsloser Informatiker im Juni vor allem bei den 20- bis 34-Jährigen im Vergleich zu den beiden Vorjahren.

«Neu ist allerdings auch, dass die Zahl der 50- bis 64-jährigen arbeitslosen Informatiker höher ist als im Monat Juni der Jahre 2018 und 2019. In absoluten Zahlen waren die meisten stempelnden Informatiker zwischen 35 und 49 Jahre alt», heisst es im Artikel von «inside IT» weiter. Demnach lässt sich auch nachweisen, dass Informatiker mit einer akademischen Ausbildung» deutlich häufiger  arbeitslos gemeldet sind als «techniksche» Fachkräfte. Zwei Drittel der Arbeitslosen sind in «akademischen Berufsfeldern» und sie wären nach allgemeiner Meinung speziell begehrt – denn 50 Prozent aller Stellensuchenden haben einen Uni-, FH- oder HF-Abschluss.

Eine deutliche Erholung der Lage auf dem Arbeitsmarkt sei derzeit nicht erkennbar, bilanziert das AWA. Die Beschäftigungsaussichten der Zürcher Unternehmen deuten laut Behörde darauf hin, dass in den kommenden Monaten ein weiterer Stellenabbau stattfinden könnte.


Webdesign by Multi Digital