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«Constant Connectivity» ist ein Risiko für das Wohlbefinden

Eine aktuelle Studie belegt, dass die ständige Verbundenheit mit der Arbeit durch mobile Arbeitsgeräte sich negativ auf das Wohlbefinden von Mitarbeitenden auswirkt. hr-swiss.ch sprach mit der Studienautorin Nadine Büchler, weshalb es relevant ist, auch Home Office als Change Prozess zu betrachten.
15. September 2020 Michaela Geiger

Das Pro und Contra von Home Office wird in Zeiten von Corona kontrovers diskutiert. Häufig überwiegen im Diskurs die ökonomischen Aspekte: Arbeiten Mitarbeitende fokussiert und konzentriert genug? Bringen sie die gleiche Leistung wie im Büro? Müssen sich Arbeitgeber an den Fix-Kosten beteiligen? 

Nun zeigt eine aktuelle Studie im peer reviewed Journal «Information & Organization», dass es sich lohnt, einen anderen Aspekt ins Zentrum zu rücken: die «Constant Connectivity», also die stetige Verbundenheit zur Arbeit durch mobile Arbeitsgeräte, birgt ein bedeutendes Risiko für das Wohlbefinden von Mitarbeitenden.

Die aktuelle Studie von Nadine Büchler, Dr. Claartje ter Hoeven und Dr. Ward van Zoonen, beschäftigt sich mit den Fragen, wie sich «Constant Connectivity» (CC) auf das Wohlbefinden der verschiedenen Mitarbeitenden auswirkt, wie der Zusammenhang erklärt werden kann und welche Möglichkeiten die Organisation hat, dies zu vermeiden.

 

Auch Mitarbeitende, die Arbeits- und Privatleben gerne verbinden, sind betroffen

Gemäss den Ergebnissen der Erhebung bei 661 «knowledge-intensiven» Mitarbeitenden in zwei internationalen Unternehmen wirkt sich Constant Connectivity trotz vieler Vorteile (unter anderem mehr Flexibilität), negativ auf das Wohlbefinden der Mitarbeitenden aus. Das hat nicht nur Konsequenzen für die Mitarbeitenden selbst, sondern potenziell auch für die Organisation – nämlich schlechtere Leistung, höhere Fluktuation sowie mehr und längere, krankheitsbedingte Abwesenheiten.

«Dieser negative Zusammenhang hängt damit zusammen, dass die Betroffenen ihre Gedanken nicht mehr von der Arbeit lösen können. Auch in der Freizeit checken sie die Mails, denken an ihre To Do-Liste und können die Regenerationszeit nicht mehr nutzen, um Energie zu tanken», erläutert Nadine Büchler die Studienergebnisse.

Besonders spannend: Dieser negative Zusammenhang gilt für alle Mitarbeitenden, unabhängig von ihrer Präferenz, Arbeits- und Privatleben zu integrieren oder zu trennen. Daraus folgt: Selbst, wenn Mitarbeitende das Gefühl haben, die Integration von Arbeits- und Privatleben sei für sie sinnvoll, wäre es zentral, Constant Connectivity zu vermeiden.

 

Home Office bedeutet nicht Constant Connectivity

Die Studienautorin Nadine Büchler betont aber: «Es ist wichtig, dass man Home Office nicht mit Constant Connectivity gleichsetzt. Nur weil man mit mobilen Arbeitsgeräten arbeitet, heisst das nicht, dass sich eine stetige Verbundenheit mit der Arbeit entwickelt. Das ist von verschiedenen Faktoren abhängig.»

Auf organisationaler Ebene gibt es mindestens drei Aspekte im Zusammenhang mit Constant Connectivity, die es zu beachten und zu gestalten gilt:

  • der wahrgenommene Zusammenhang der beruflichen Aufgabe mit der Materialität des mobilen Arbeitsgerätes (das heisst, ob man denkt, dass man seinen Job ohne das mobile Arbeitsgerät nicht machen kann)

  • die Anfälligkeit gegenüber sozialem Druck

  • die Sichtbarkeit der Kommunikationsgewohnheiten der Kolleginnen und Kollegen und/oder von Führungskräften

Nadine Büchler erklärt: «Wir haben eine Skala entwickelt und validiert, mit der sich einfach messen lässt, wie stark «Constant Connectivity» in der eigenen Organisation ausgeprägt ist und welche Faktoren am ehesten als Hebel dienen, die stetige Verbundenheit zur Arbeit zu mindern.» Persönlich ist sie ein grosser Fan von «Remote Working» und der Flexibilität, die mobile Arbeitsgeräte ermöglichen. Aber es reiche aber nicht, den Mitarbeitenden Laptop und Headset mitzugeben und allenfalls noch einen ergonomischen Stuhl zu sponsern. «Es ist zentral, die Organisation auf das «New Normal» einzustellen, Awareness für die neuen Gegebenheiten zu schaffen, Erwartungen klar zu kommunizieren und die vorherrschenden Organisationsstrukturen, sowie die formellen und informellen Kommunikationswege zu analysieren und gegebenenfalls anzupassen», betont sie. Dann können sowohl Mitarbeitende, als auch Unternehmen von den vielen Vorteilen von mobilen Arbeitsgeräten profitieren.

 


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