News

Die Schweiz braucht eine Strategie für Künstliche Intelligenz

Wissenschaftler schlagen in einem Bericht unter anderem eine nationale Prüfstelle für vertrauenswürdige, ethische und sichere KI-Systeme sowie die Unterstützung von KMU vor.
08. November 2019 - PD/MIG

Künstliche Intelligenz-Experten und Mitglieder der Themenplattform «Künstliche Intelligenz» der Schweizerischen Akademie der Technischen Wissenschaften (SATW) haben Empfehlungen für eine nationale Strategie im Umgang mit Künstlicher Intelligenz (KI) erarbeitet. Zu den Autoren gehören Professoren wie Joachim Buhmann von der ETH Zürich, Vertreter von IBM Research wie Direktor Alessandro Curioni und die Leiterin des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz, Jana Koehler.

In einem White Paper entwickeln die Autoren unter anderem folgende Idee: «Die Schweiz sollte ein Modell für einen offenen Markt für Daten entwickeln, das die Bewertung und den Austausch von Daten fördert und gleichzeitig Privatsphäre, Sicherheit und Vertrauen gewährleistet.» Vorgeschlagen wird deshalb, die einzigartige geopolitische Reputation und das Vertrauen der Schweiz zu nutzen, um sich als sicherere Anlaufstelle für das Zeitalter der datenbasierten Wirtschaft zu profilieren. «Darüber hinaus sollte die Schweiz bei der Definition der allgemeinen Anforderungen an die KI-Systeme eine Führungsrolle übernehmen, um deren Akzeptanz durch Wirtschaft und Gesellschaft zu erhöhen», heisst es weiter. Da KI immer häufiger eingesetzt werde, komme es darauf an, sicherzustellen, dass diese Modelle hohen ethischen Standards entsprechen und Sicherheit bieten. «Eine Prüfstelle für KI könnte Anforderungen an vertrauenswürdige ethische und sichere KI-Systeme stellen.»

Fünf Empfehlungen stehen im Mittelpunk des White Papers: Die Schweiz müsse eine nationale Datenplattform aufbauen. Eine Stelle zur Verifizierung und Prüfung von KI soll geschaffen werden. Das Vertrauen der Gesellschaft in die Technologie müsse gestärkt werden. Die Forschung über und mit KI sei zu fördern sowie ihr Einsatz in der Hochschulbildung zu intensivieren. Firmen, insbesondere KMU, sollen befähigt werden, KI für ihre Zwecke zu nutzen.

Bislang verfolge die Schweiz keine nationale KI-Strategie, im Unterschied zu vielen anderen Ländern, heisst es in einer Mitteilung zum Bericht. Die EU habe mit dem «Digital Europe Programme» (DEP) zudem eine Initiative über Ländergrenzen hinweg gestartet, die KI als einen von fünf Säulen definiert. 2,5 der insgesamt 9,2 Milliarden Euro des Programms fliessen in KI. Eine Umfrage des Staatssekretariats für Bildung, Forschung und Innovation unter Schweizer Stakeholdern habe gezeigt, dass diese eine Teilnahme am DEP als sehr wichtig erachten.

 

Regeln einführen für Umgang mit Daten

Für die Schweiz sei es unerlässlich, die Bürger zu befähigen, aktiv und anonym Daten bereitzustellen – in allen Bereichen, die auf die Verfügbarkeit personenbezogener Daten angewiesen seien, zum Beispiel im Gesundheitswesen oder der Bildung.

Dazu bedürfe es einer demokratischen Kontrolle der Plattformen, beispielsweise durch eine genossenschaftliche Organisation. Die MIDATA-Genossenschaften für Gesundheitsdaten könnten hier als Modell dienen. Weiter fordert das White Paper eine rasche Einführung einer E-ID. Man müsse die Diskussionen in diesem Bereich auf den Nutzen eines offenen, transparenten und fairen Datenaustausches verlagern.

Mit der zunehmenden Verbreitung von KI müssten zudem die Sicherheitsprüfungen von KI-Systemen erhöht werden. Deshalb müsse die Schweiz auf Regierungsebene eine Institution einrichten, welche die Verantwortung für die Verifizierung dieser Systeme übernimmt. Diese Einrichtung solle auch allgemeine Richtlinien für Testalgorithmen liefern.

 

KI-Know-how für KMU zu geringen Kosten


Bei KMU, heisst es im letzten Teil des White Papers, fehle es oft am Verständnis von Algorithmen oder Software-Architektur. Darum hätten diese Mühe einzuschätzen, welche Vorteile ihnen KI-Technologie bringen und welche Probleme damit gelöst werden könnten, aber auch, was mögliche Risiken seien. Deshalb wird der Aufbau eines Netzwerks von Experten und Wissensressourcen vorgeschlagen, auf das KMU zu geringen Kosten und ohne hohe Vermittlungsgebühren zugreifen können.

Sie seien überzeugt, dass die Schweiz in ausgewählten Bereichen von KI-Diensten und -Anwendungen eine Vorreiterrolle einnehmen könne, betonen die Autoren des Berichts. «Ziel ist es, die Schweiz als führendes KI-Land zu positionieren und die positiven Auswirkungen der KI auf die Schweizer Wirtschaft zu verstärken und zu beschleunigen.»

 

Der Bericht «Recommendations for an AI Startegy in Switzerland» ist auf Englisch als PDF abrufbar.

 


Webdesign by Multi Digital