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Durch Jobverlust zur Selbständigkeit getrieben

Eine neue Studie zeigt, dass für Informatiker im Alter von 50plus oftmals der Jobverlust ein Grund für den Gang in die Selbstständigkeit ist. Stundenansätze für IT- und Engineering-Freelancer in der Schweiz blieben hoch – zumindest vor der Coronakrise.
29. Juli 2020 - MIG

Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum blieben die Honoraransätze stabil auf rund 152 Franken, wobei sie ganz leicht stiegen. Deutlich war die Steigerung zwischen den Projekten. So gaben über 60 Prozent der Befragung an, dass sie ihre Stundenansätze von einem Projekt zum nächsten erhöhen konnten – fast ein Viertel sogar um rund 10 Prozent. Dies zeigt eine Umfrage unter IT- und Engineering- Freelancern, die im Auftrag des ICT-Personaldienstleisters Gulp durchgeführt wurde.

Fast die Hälfte der Befragten verdiente nach eigenen Angaben allerdings Stundenansätze unter dem Schnitt an, während ein Viertel gar nur zwischen 120 und 139 Franken pro Stunde verdiente. Jene 16 Prozent, die Stundenhonorare von über 200 Franken verlangen können, hoben den Durchschnitt, wie Gulp feststellt.

Besonders gut bezahlt werden Business- und Prozessanalyse, während System-Engineering und –Architektur das Schlusslicht bildet. Ansonsten waren vor allem Ausbildung und Berufserfahrung entscheidend.

 

Mehr Freelancer, weniger Projekte aufgrund der Corona-Pandemie

Die Umfrage wurde noch vor der Coronakrise durchgeführt. Diese hat die Marktlage deutlich verändert. Die Studienautoren sind überzeugt, dass die erhobenen Daten dennoch wichtig sind, um die Veränderung des Projektmarktes besser zu verstehen. Vor der Pandemie waren die Freelancer gut ausgelastet: Die Hälfte der Befragten zählten 200 oder mehr Projekttage. Nur etwas unter 30 Prozent kamen auf weniger als 150 verrechenbare Tage. Dazu kommen weitere Arbeiten etwa für Administration und Akquise, sodass ein Grossteil der Freelancer mindestens 240 Tage im Jahr arbeitete. Das ist mehr als die Festangestellten, die bei einem Vollzeitpensum auf rund 225 Arbeitstage kamen.

Mit der Pandemie wurden Projekte eingestellt oder verschoben und die Zahl der Selbständigen wächst aufgrund von Jobverlusten. Längerfristige Prognosen seien angesichts der sich rasch wandelnden Lage aber schwierig, hält Gulp fest.

 

Die Gründe für die Selbstständigkeit als Freelancer

Die Gründe, sich für die Selbstständigkeit zu entscheiden, sind laut Studie meistens durch verschiedene Faktoren motiviert, die individuell variieren. Nichtsdestotrotz lassen sich anhand der gegebenen Antworten der Studienteilnehmer zwei Hauptursachen identifizieren, die sich grundlegend unterscheiden.

 Einmal ist es der Wunsch, selbst zu bestimmen, welche Aufträge man annimmt oder nicht. Dieser Grund ist für mehr als ein Drittel aller befragten ICT-Fachleute der ausschlaggebende Punkt, warum sie sich für die Selbstständigkeit entschieden haben.

Der zweite Grund ist unfreiwilliger Natur. 32,35 Prozent der Umfrageteilnehmer gaben an, dass eine berufliche Notwendigkeit (Jobverlust) für den Schritt in die Selbstständigkeit verantwortlich war. Die Teilnehmer, die den Jobverlust als Grund der Selbstständigkeit angaben, waren durchschnittlich ca. 50 Jahre alt und stellen somit die älteste Gruppe der Begründenden dar. Die Coronakrise werde diesen Anteil zweifelsfrei weiter ansteigen lassen, unabhängig vom Alter, so die Studienautoren.

Gleichzeitig zeigt die Auswertung der Dauer, wie lang jemand freiberuflich tätig ist, dass eine Selbständigkeit aufgrund von Jobverlust ein eher junges Phänomen ist. Mit weniger als acht Jahren liegt der Durchschnitt signifikant tiefer als bei allen anderen. Es scheint demnach, dass speziell für ältere ICT- und Engineering-Spezialisten der Weg in die Selbständigkeit in jüngerer Vergangenheit zu einer attraktiven Alternative geworden ist. Als Selbstständige können sie ihre Erfahrung und Kompetenzen viel gezielter einsetzen und auch die Auftraggeber dürften gegenüber Externen wesentlich weniger altersbezogene Vorbehalte haben, als wenn eine Festanstellung zur Diskussion stünde.

 

An der Umfrage nahmen zwischen September 2019 und Februar 2020 insgesamt 440 IT- und Engineering-Freelancer aus der Schweiz teil. Die Studie kann auf der Gulp-Website heruntergeladen werden.

 

 


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