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Effizienter arbeiten in selbstorganisierten Teams?

Selbstführung und agile Arbeitweisen haben positive Auswirkungen auf Organisationen - sofern die Rahmenbedingungen stimmen.
05. November 2020 Michaela Geiger

Selbstorganisiertes Arbeiten gewinnt im Arbeitsalltag immer mehr an Bedeutung. Mit dem Ziel, ein lernförderndes, motivierendes Arbeitsklima im digitalen Umfeld zu schaffen, sind viele Unternehmen daran,  hierarchische Strukturen zu überdenken und verstärkt auf Selbstorganisation und agile Arbeitsformen zu setzen, belegt eine Studie des Instituts für Angewandte Psychologie der ZHAW. Die qualitative Untersuchung zeigt, wie selbstgeführte Teams Organisationen produktiver und widerstandsfähiger machen können - sofern gewisse Voraussetzungen erfüllt sind.

Auf individueller Ebene zeigt sich, dass Mitarbeitende den erweiterten Gestaltungsraum und die erhöhte Einflussnahme durch eigene Entscheidungen schätzen. Dadurch wird die Selbstwirksamkeit gestärkt und das Gefühl der Sinnhaftigkeit erhöht. Dies spiegelt sich im Anstieg von Motivation und Engagement wider.

Selbstführung erfordert gemäss der Studie eine kontinuierliche Entwicklungs- und Veränderungsbereitschaft, Reflexionsfähigkeit, Selbstinitiative und ein hohes Verantwortungsbewusstsein. Offenheit und Veränderungsbereitschaft sind gefragt. Allgemein werden hohe intra- und interpersonelle sowie auch fachliche Kompetenzen als wichtig bewertet. Fachlich sollten Mitarbeitende in der Lage sein, komplexe Inhalte zu strukturieren und zu bearbeiten. Offenheit gegenüber Neuem und eine hohe, kontinuierliche Lernbereitschaft sind gefragt. Selbstführung erfordert Ausdauer, Disziplin, selbstbewusstes Handeln und mentale Stärke im Umgang mit Drucksituationen. Da viele Absprachen nötig sind, um sich gemeinsam und doch selbstständig zu organisieren, ist eine hohe Sozialkompetenz wie auch eine ausgeprägte Konfliktfähigkeit zentral.

 

Zusammenarbeit auf Augenhöhe

Auf der Teamebene bedeutet Selbstorganisation mehr Austausch untereinander - im Idealfall mit hoher Motivation. Die Bereitschaft von Mitarbeitenden, mehr Verantwortung zu übernehmen und auch klare Ziele zu definieren, fördern die erfolgreiche Zusammenarbeit im Team. Auch eine ausgeprägte Wertschätzung durch das Arbeiten auf Augenhöhe stellten die Wissenschaftler fest. Dabei seien Vertrauen und psychologische Sicherheit im Team von hoher Bedeutung. Fehlende Kommunikation und mangelnde Priorisierung oder mangelnde Transparenz in der Aufgabenverteilung beinträchtigten dagegen die Zusammenarbeit. Konflikte werden in selbstorganisierten Teams oft dialogisch und eigenständig ausgehandelt, wobei es auch spezifische Rollen zur Konfliktbearbeitung gibt.

 

Mehr Freiheit versus Überforderung

Auf organisatorischer Ebene werden Transparenz, klare Rollen- und Zieldefinitionen und ein lernförderndes Arbeitsklima als unterstützende Rahmenbedingungen wahrgenommen. Zu stark sanktionierende Unternehmenskulturen und Mikromanagement erschweren Selbstführung. Selbstführung erfordert mehr Kommunikation. Weiter muss sich die Organisation bewusst sein, dass durch vermehrte Selbstführung auch die Gefahr der Überanstrengung und Überforderung der Mitarbeitenden besteht. Mit entsprechenden Rahmenbedingungen wie einer guten Fehlerkultur und das Vermitteln psychologischer Sicherheit können Unternehmen dem entgegenwirken und eine selbstführende Arbeitsweise aktiv fördern. 

Weitere Informationen: www.zhaw.ch/iap/studie

 

 


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