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Familienpause ist eine Qualifikation, kein Handicap

Erfolg gelingt mit den richtigen Talenten, doch diese sind knapp. Auch, weil viele ihre Karriere unterbrechen. Die SBB fördert deshalb mit einer Initiative den Wiedereinstieg in den Beruf und räumt mit Vorurteilen auf.
03. August 2020 Michaela Geiger

Viele Angestellte würden ihre berufliche Entwicklung nach einer familiären Pause gerne fortsetzen, sofern sich Arbeit und Privatleben sinnvoll vereinbaren lassen. Doch die Akzeptanz für flexible Arbeitsformen ist noch gering und Wiedereinsteigerinnen und Wiedereinsteiger sind oft mit Vorurteilen konfrontiert. Die Toleranz gegenüber neuen Modellen wächst aber mit jeder Person, die davon profitiert, weshalb die SBB die Initiative «Wiedereinstieg in den Beruf» lanciert. Sie hat die ETH Zürich mit einer Studie beauftragt, die mit mit den Vorurteilen aufräumt und aus den Empfehlungen der Studienautorin konkrete Angebote für Wiedereinsteigerinnen und Wiedereinsteiger abgeleitet.

 

Umdenken im Talentmanagement gefordert

Die Studie zeigt, dass Mütter und Väter über wertvolle Eigenschaften verfügen – und oft gut ausgebildet sind. «Wenn wir diese Talente für die SBB gewinnen wollen, muss ein Umdenken stattfinden» so Corinne Kuhn, Leiterin Employer Branding bei der SBB. «Eine längere Mutter- oder Vaterschaftsauszeit oder eine längere Reise sind vergleichbar mit einer Weiterbildung. Diese Kompetenzen müssen wir sehen, wertschätzen und einsetzen» ist Corinne Kuhn überzeugt. «Der wirtschaftliche Wert von Wiedereinsteigerinnen und Wiedereinsteigern bleibt heute oft ungenutzt. Unterstützt ein Unternehmen Wiedereinsteigende, erhöht das deren Loyalität gegenüber dem Arbeitgeber». Damit die Rückkehrerinnen und Rückkehrer möglichst rasch wieder auf demselben Stand sind wie ihre Arbeitskolleginnen und -kollegen, bietet die SBB neu spezielle Angebote; so beispielsweise in der Informatik mit Auffrischungskursen im Programmieren. «Generell ist für Wiedereinsteigerinnen und Wiedereinstieger der Weg zurück in die Arbeitswelt oft steiniger als die Vereinbarkeit von Familie und Beruf», sagt Corinne Kuhn.

 

Alte Muster aufbrechen mit flexiblen Modellen

Die Studie der ETH bringt klar zum Ausdruck, dass sich Familie und Karriere– auch mit Führungs- oder Fachführungsverantwortung – kombinieren lassen. Was es dafür braucht? Der Arbeitgeber muss flexible Modelle wollen, zulassen und fördern. Ausserdem ist eine gute Organisation wichtig, sowohl bei der Arbeit als auch zuhause. Für Mütter und Väter ist die Balance zwischen Arbeit und Familie zwar durchaus oft eine Herausforderung; sie haben aber oft ein ausgeprägtes Organisationstalent und nutzen ihre Zeit sehr fokussiert.

Jede Ausbildung und jeder Beruf bringt Strukturen mit sich, aber Flexibilität und neue Formen sind vielerorts heute schon möglich. Schon in der Ausbildung müssten alte Muster aufgebrochen werden, denn: «Was nützen Teilzeitangebote, wenn diese Aus- oder Weiterbildungen voraussetzen, die nur im Vollzeitpensum möglich sind?», fragt Corinne Kuhn. Deshalb bietet die SBB neu eine Teilzeit-Ausbildung zur Kundenbegleiterin beziehungsweise zum Kundenbegleiter.


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