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Frauenanteil in den Geschäftsleitungen erstmals zweistellig

Erstmals erreicht der Frauenanteil in den Geschäftsleitungen der 100 grössten Schweizer Arbeitgeber die Marke von 10 Prozent. Der öffentliche Sektor bringt es sogar auf 20 Prozent weibliche Topkader.
12. März 2020 - PD/MIG

Die 15. Ausgabe des Schillingreports berichtet ebenso als bemerkenswert: Unternehmen stärken die Digitalisierungskompetenz ihrer Geschäftsleitungen. Zudem pendeln sich die Ausländeranteile weiter ein.

Die grössten Schweizer Arbeitgeber haben im vergangenen Jahr jede fünfte (21 Prozent) Vakanz in der Geschäftsleitung mit einer Frau besetzt. Bemerkenswert ist, dass die Unternehmen mit 61 Prozent die Mehrheit der neuen weiblichen Geschäftsleitungsmitglieder intern befördert haben. Sie demonstrieren ein wachsendes Bewusstsein dafür, die Gender Diversity in den Geschäftsleitungen zu erhöhen und zeigen auf, dass sie im Mittelbau viele starke Nachwuchsfrauen haben. Vorreiter in Sachen Gender Diversity ist weiterhin der öffentliche Sektor: Er besetzt erneut 38 Prozent der vakanten Spitzenpositionen mit Frauen. In den Verwaltungsräten der 100 grössten Arbeitgeber steigt der Frauenanteil von 21 Prozent auf 23 Prozent. Setzt sich dieser Trend fort, knackt der Frauenanteil in vier Jahren die vom Gesetzgeber geforderte Marke von 30 Prozent.

Neben den positiven Entwicklungen des Frauenanteils in allen relevanten Gremien zeigt der Schillingreport 2020, dass sich der Ausländeranteil (44 Prozent) in den Führungsgremien weiter einpendelt. Über zwei Drittel (70 Prozent) der ausländischen Geschäftsleitungsmitglieder waren bereits in der Schweiz oder in einem Schweizer Unternehmen tätig, bevor sie ihre aktuelle Geschäftsleitungsposition antraten. Unter den neuen Geschäftsleitungsmitgliedern finden sich auffällig viele Experten mit ausgewiesener Digitalisierungskompetenz. Der Grossteil von ihnen trat Positionen an, welche die Unternehmen neu geschaffen haben.

 

SMI-Konzerne haben jede dritte offene Position mit einer Frau besetzt
Der Frauenanteil in den Geschäftsleitungen der 100 grössten Schweizer Arbeitgeber steigt von 9 Prozent auf 10 Prozent. Die Unternehmen haben für jede fünfte (21 Prozent) offene Geschäftsleitungsposition eine Frau berufen (2019 18 Prozent). Trotz Anstieg des Frauenanteils hat nur knapp über die Hälfte (53 Prozent) der Unternehmen Frauen in der Geschäftsleitung (2019 49 Prozent). Hier besteht weiterhin Bedarf an klarem Commitment der Unternehmensleitungen und Verwaltungsräte. Die SMI-Konzerne haben jede dritte offene Position mit einer Frau besetzt. Damit erhöhen sie den Frauenanteil in ihren Geschäftsleitungen von 10 Prozent auf 12 Prozent und unterstreichen ihre Vorreiterrolle.

 

Klassischer Karriereweg – interne Beförderung
Nach dem letztjährigen Spitzenwert von 64 Prozent haben die Unternehmen erneut die Mehrheit (61 Prozent) der neuen weiblichen Geschäftsleitungsmitglieder intern befördert. Ihr Anteil übersteigt sogar jenen der Männer (59 Prozent). «Es ist erfreulich, dass die Unternehmen bei Beförderungen den Fokus nach innen richten und mittlerweile von ihrer Investition in die Talententwicklung profitieren. Das hat für beide Seiten grosse Vorteile: Die neuen Geschäftsleitungsmitglieder kennen die Kultur, pflegen bereits ein Beziehungsnetz und haben gleichzeitig einen positiven Strahleffekt nach innen und aussen», so Guido Schilling.

 

«Es ist erfreulich, dass die Unternehmen bei Beförderungen den Fokus nach innen richten und mittlerweile von ihrer Investition in die Talententwicklung profitieren.»

 

Öffentlicher Sektor als Vorreiter
Im Topkader des öffentlichen Sektors steigt der Frauenanteil wieder konstant um 2 Prozentpunkte und erreicht erstmals 20 Prozent (2019 18 Prozent). Der öffentliche Sektor bestätigt seine Anstrengungen des Vorjahrs und besetzt erneut 38 Prozent der vakanten Spitzenpositionen mit einer Frau. Der Frauenanteil im Topkader des öffentlichen Sektors ist damit doppelt so hoch wie in den Geschäftsleitungen der Privatwirtschaft. Die höhere Gender Diversity verdankt der öffentliche Sektor laut Schilling auch der besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie: «Sie ist der Schlüssel zu einer ausgewogenen Gender Diversity. Hier weist der öffentliche Sektor der Privatwirtschaft den Weg.

 

«Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist der Schlüssel zu einer ausgewogenen Gender Diversity. Hier weist der öffentliche Sektor der Privatwirtschaft den Weg.»

 

Unternehmen stärken Digitalisierungskompetenz ihrer Geschäftsleitungen
Die Digitalisierung ist in aller Munde. Im Schillingreport 2020 ist ihre Auswirkung auf die Geschäftsleitungen sichtbar: 12 Unternehmen haben Experten mit ausgewiesener Digitalisierungskompetenz neu in ihre Geschäftsleitungen berufen. 8 von ihnen traten Positionen an, welche die Unternehmen neu geschaffen haben. «Das deutet darauf hin, dass die Firmen der digitalen Transformation eine höhere Bedeutung beimessen. Ich rechne damit, dass sich der Trend, die Digitalisierungskompetenz in der Geschäftsleitung zu verankern, weiter akzentuieren wird», meint Schilling.

 

«Ich rechne damit, dass sich der Trend, die Digitalisierungskompetenz in der Geschäftsleitung zu verankern, weiter akzentuieren wird.»

 

Der Ausländeranteil pendelt sich weiter ein
In den Geschäftsleitungen sinkt der Ausländeranteil von 45 Prozent auf 44 Prozent. Seit vier Jahren hat er sich in diesem Bereich eingependelt. Über zwei Drittel (70 Prozent) der ausländischen Geschäftsleitungsmitglieder waren bereits in der Schweiz oder in einem Schweizer Unternehmen tätig, bevor sie ihre aktuelle Position antraten. Diese «Inländer» stiessen folglich bereits im mittleren oder oberen Management zu einem Schweizer Arbeitgeber. «Die ausländischen Talente sind eine unentbehrliche Ergänzung zum Schweizer Nachwuchs. Wir müssen Sorge tragen, dass ihre Pipeline nicht versiegt», gibt Schilling zu bedenken.

 

Konstante Entwicklung im Verwaltungsrat – Mehr Frauen mit Mehrfachmandaten
Der Frauenanteil im Verwaltungsrat steigt von 21 Prozent auf 23 Prozent. Die Unternehmen haben knapp jedes dritte vakante Verwaltungsratsmandat (32 Prozent) mit einer Frau besetzt (2019 38 Prozent). Steigt der Frauenanteil in der Schweiz weiter um jährlich 2 Prozentpunkte, übertrifft er 2024 die Marke von 30 Prozent (31 Prozent), die der Gesetzgeber fordert. Der Anteil Verwaltungsrätinnen, die 2 oder mehr Mandate besetzen, steigt von 7 Prozent auf 9 Prozent. Sie teilen sich neu 17 Prozent aller Mandate auf, die von Frauen besetzt werden. Seit 2 Jahren steigt dieser Anteil: 2018 lag er bei 10 Prozent, 2019 bei 13 Prozent. «Während Männer schon seit Jahren professionelle Verwaltungsratskarrieren mit mehreren grossen Mandaten gleichzeitig verfolgen, ziehen die Frauen nun nach», sagt Schilling und fügt an: «Mit Blick auf eine allfällige Frauenquote wird es spannend, zu beobachten, wie sich der Anteil Frauen mit Mehrfachmandaten entwickelt.»

 

«Mit Blick auf eine allfällige Frauenquote wird es spannend, zu beobachten, wie sich der Anteil Frauen mit Mehrfachmandaten entwickelt.»

 

Frauenanteil in DAX-Aufsichtsräten im Aufschwung
Zum Vergleich: In den Aufsichtsräten der Unternehmen des Deutschen Aktienindex (DAX) steigt der Frauenanteil von 33 Prozent auf 36 Prozent. Für 38 Prozent der offenen Sitze wurden Frauen berufen (2019 30 Prozent). Seit 2016 sind kotierte deutsche Unternehmen verpflichtet, eine Frauenquote von 30 Prozent in ihren Aufsichtsräten einzuhalten. «Im letzten Jahr schien es, als würden die Bemühungen der Unternehmen nachlassen und als sei die Arbeit mit Erreichen der Quote getan. Nun zeigt sich aber, dass wieder mehr Schwung in die Aufsichtsräte kommt», sagt Schilling. In den DAX-Vorständen steigt der Frauenanteil von 14 Prozent auf 15 Prozent.

Der Schillingreport 2020 umfasst die 118 grössten Arbeitgeber der Schweiz sowie den Bund und die 26 Kantone. Entsprechend wurden 900 Geschäftsleitungs-, 825 Verwaltungsratsmitglieder sowie 1027 Führungskräfte des öffentlichen Sektors (Amtsleiter/innen, Generalsekretäre, Generalsekretärinnen und Staatsschreiber/-innen) in die Untersuchung einbezogen.

 

 

Der vollständige Report kann in den Sprachen Deutsch, Französisch und Englisch ab Mitte Mai online unter www.schillingreport.ch bezogen werden.


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