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Historisch schwache Beschäftigungsaussichten für den Sommer 2020

Viele Schweizer Arbeitgeber rechnen für die kommenden Sommermonate PD/MIG mit einem deutlichen Rückgang der Beschäftigung. Das zeigen die aktuellen Ergebnisse des Manpower Group Arbeitsmarktbarometers.
10. Juni 2020 - PD/MIG

Die Arbeitsmarktprognose für die Schweiz (–8 Prozent) bricht im Quartals- und Jahresvergleich ein. Vier von sieben Sektoren und fünf von sieben Regionen verzeichnen die niedrigsten Zahlen in 15 Jahren. Die meisten Schweizer Arbeitgeber (56 Prozent) gehen jedoch davon aus, dass innerhalb von einem Jahr wieder das Beschäftigungsniveau von vor der Gesundheitskrise erreicht wird. Die optimistischsten unter ihnen (28 Prozent) rechnen bereits bis zum Herbst damit. Die Umfrage wurde vom 17. bis 29. April 2020 bei 438 Arbeitgebern durchgeführt.

Der Arbeitsmarkt leidet demnach, wie erwartet, sehr unter den Lockdown-Massnahmen zur Eindämmung des Coronavirus. Die Arbeitsmarktprognose erreicht das niedrigste Niveau seit Einführung des ManpowerGroup Arbeitsmarktbarometers in der Schweiz vor 15 Jahren. Dennoch legen Arbeitgeber in bestimmten Regionen und Sektoren eine gewisse Stabilität an den Tag und halten an ihren Einstellungsplänen fest. Dies sind vor allem Unternehmen mit Ausrichtung auf den Binnenmarkt.

 

Tessin mit schwächster Prognose seit 15 Jahren

Die Arbeitgeber in sechs der sieben Regionen beabsichtigen, im dritten Quartal 2020 die Zahl ihrer Mitarbeitenden zu senken. Nur die Arbeitgeber in der Ostschweiz (+3 Prozent) melden eine positive Prognose und einen Anstieg im Vergleich zum Vorquartal (+4 Prozentpunkte). In allen anderen Regionen sind die Arbeitgeber pessimistisch: Das Tessin (–14 Prozent), die Nordwestschweiz (–13 Prozent), die Genferseeregion (–10 Prozent), die Region Zürich (–10 Prozent) und die Zentralschweiz (–2 Prozent) verbuchen jeweils das schlechteste Ergebnis seit der Lancierung des Barometers in der Schweiz im Jahr 2005. Im Quartalsvergleich weisen das Tessin und die Genferseeregion (mit –17 bzw. –16 Prozentpunkten) den grössten Rückgang aus. Im Jahresvergleich sind alle Regionen rückläufig, wobei die Nordwestschweiz die erheblichsten Verluste verzeichnet (–24 Prozentpunkte).

 

Wenige Sektoren mit stabiler Beschäftigungsdynamik

Fünf der sieben Sektoren gehen von einem Personalabbau im Sommer 2020 aus, nur zwei Sektoren zeigen sich robuster. Es handelt sich um Andere Produktionssektoren (+1 Prozent) und Andere Dienstleistungssektoren (0 Prozent). Letzterer verzeichnet auch gegenüber dem Vorquartal nur geringe Änderungen (–1 Prozentpunkt). Dagegen legen die Arbeitgeber im Gastgewerbe (–36 Prozent) den grössten Pessimismus an den Tag: Der Sektor muss die stärksten Wertverluste im Vergleich zum Vorquartal (–38 Prozentpunkte) und zum Vorjahr (–46 Punkte) hinnehmen. Auch im Baugewerbe (–12 Prozent), in der verarbeitenden Industrie (–9 Prozent) und im Sektor Finanz- und Unternehmensdienstleistungen (–8 Prozent) schätzen die Arbeitgeber die Beschäftigungslage negativ ein – und liefern die schwächste Prognose seit 15 Jahren.

 

Beschäftigungsstopp in vier untersuchten Unternehmenskategorien

In allen vier untersuchten Unternehmenskategorien melden die Arbeitgeber negative Ergebnisse für das dritte Quartal 2020. Die Arbeitgeber der Grossunternehmen (–3 Prozent) gehen von einer starken Verlangsamung am Arbeitsmarkt aus, und die Kleinunternehmen (–4 Prozent) und die Kleinstunternehmen (–7 Prozent) prognostizieren eine noch schwierigere Situation. Die Arbeitgeber der mittleren Unternehmen geben sich am pessimistischsten (–17 Prozent) und verbuchen den grössten Rückgang gegenüber dem Vorquartal und dem Vorjahr (mit –22 bzw. –28 Prozentpunkten).

 

Nachbarländer: Deutschland mit positiver Prognose als Ausnahme

Deutschland gehört zu den sieben der 43 an der Umfrage teilnehmenden Ländern, die eine positive Prognose melden. Dennoch gehen die deutschen Arbeitgeber (+1 Prozent) für das dritte Quartal 2020 von einer deutlich schwächeren Beschäftigungsdynamik aus und, wie überall in der EMEA-Region, sinken die Beschäftigungsaussichten des Landes im Quartals- und Jahresvergleich. Andere Dienstleistungssektoren und das Baugewerbe schneiden am besten ab. Frankreich (–11 Prozent) weist die niedrigsten Zahlen seit Lancierung des Barometers in dem Land im Jahr 2003 und deutliche Rückgänge im Vergleich zum Vorquartal und zum Vorjahr aus. In Italien (–5 Prozent) dürfte im Sommer 2020 der solideste Arbeitsmarkt derjenige der Anderen Produktionssektoren sein.

 

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Der Manpower Group Arbeitsmarktbarometer

Der vierteljährlich erscheinende Manpower Group Arbeitsmarktbarometer untersucht die Beschäftigungsaussichten von privaten und öffentlichen Unternehmen in 43 Ländern und Hoheitsgebieten anhand der voraussichtlichen Entwicklung der Personalzahlen im Laufe des bevorstehenden Quartals. Der Arbeitsmarktbarometer ist ein anerkannter Wirtschaftsindikator und wird in der Schweiz anhand von Umfragen bei einer repräsentativen Stichprobe von rund 750 Arbeitgebern erstellt.


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