News

Kontakt halten in Zeiten von „Social Distancing“

Wie man Mitarbeiter zusammenbringt, wenn sie getrennt arbeiten. Und auch bei Remote Work die soziale Verbindung im Team stärkt.
13. Oktober 2020 - Robert Ordever*

Echtes Wohlbefinden erfordert positive menschliche Beziehungen, sowohl zu Hause als auch am Arbeitsplatz. Aber wie können Führungskräfte Beziehungen pflegen, wenn soziale Distanzierung eine Notwendigkeit ist? Viele Arbeitnehmende müssen sich aktuell noch immer mit den Herausforderungen der Heimarbeit auseinandersetzen. Nebenwirkungen der Telearbeit können Gefühle von Einsamkeit und Isolation sein, die dazu führen, dass sich Mitarbeitenden sowohl geistig als auch körperlich als „abgetrennt“ empfinden.

 

Die Einsamkeitspandemie

Schon vor dem Ausbruch der Pandemie war die Einsamkeit am Arbeitsplatz immer weiter verbreitet. In einer Diskussionsrunde mit dem Titel Loneliness: An Epidemic? (Einsamkeit: Eine Epidemie?) auf dem Weltwirtschaftsforum 2019 in Davos wird chronische Einsamkeit als ein generationsübergreifendes Gesundheitsproblem beschrieben, wobei 40 Prozent der unter 25-Jährigen berichten, dass sie sich einsam fühlen. Tatsächlich wird berichtet, dass Einsamkeit für die Gesundheit der Menschen genauso schädlich ist wie das Rauchen. Auch der Weltkulturbericht 2019 des O.C. Tanner Institute zitiert Einsamkeit als Gesundheitsepidemie und macht den Aufstieg der Technologie dafür verantwortlich, dass wir immer mehr voneinander getrennt sind und zu einem alarmierenden Ausmass von Depression, Stress und Negativität beitragen.

Da die globale Pandemie die Isolation über Monate hinweg erzwingt, wird dies die ohnehin instabile Situation nur noch verschärft und die psychische Gesundheit schwer beeinträchtigt haben. Dr. Petsanis, ein in La Chaux-de-Fonds tätiger Neurologe, hebt die Auswirkungen der Pandemie auf die psychische Gesundheit  hervor und sagt, dass wir bereits Warnzeichen für die psychische Gesundheit in der gesamten Bevölkerung sehen. Was können Führungskräfte also tun, damit sich die Mitarbeiter in einer Zeit der sozialen Distanzierung verbunden fühlen? Hier sind einige wichtige Erkenntnisse.

 

Eine inklusive Kultur fördern

Wenn die Kultur einer Organisation inklusiv ist, ist die Wahrscheinlichkeit, dass Mitarbeitende sich zugehörig fühlen, nach unsereren Recherchen um 141 Prozent höher. Inklusion bedeutet jedoch nicht nur Vielfalt, sondern auch, dass Menschen aus allen Gesellschaftsschichten unabhängig von Rasse, Geschlecht, Alter, sexueller Orientierung oder Hintergrund sie selbst sein und sich entfalten dürfen. Dieses Mass an Akzeptanz ist der Schlüssel zum sozialen und emotionalen Wohlbefinden der Arbeitnehmenden.

 

Verbindung zum Purpose erstellen

Wenn Mitarbeitende das Gefühl haben, Teil von etwas zu sein, das viel grösser ist als sie selbst, besonders in schwierigen Zeiten, bringt dies die Menschen zusammen. Es reicht jedoch nicht aus, nur einen sinnvollen Zweck (Purpose) zu verfolgen. Die Mitarbeitenden müssen sich damit verbunden fühlen und verstehen, wie ihre spezifische Arbeit und Rolle individuell einen Unterschied macht. Das bedeutet, den Zweck in jede Interaktion und Erfahrung der Mitarbeitenden in der Organisation einzubeziehen. Mitarbeitende, die den Purpose ihres Unternehmens sehen und hören, sind nach unserer Erfahrung oft 20 Prozent eher motiviert und 32 Prozent eher der Meinung, dass ihre Organisation das Leben anderer positiv beeinflusst.

 

Mitarbeiter mit ihren Kollegen verbinden

Führungskräfte müssen Wege finden, Teams so zusammenzubringen, dass sich der Einzelne unterstützt und geschätzt fühlt. Von Teamsitzungen über Zoom bis hin zu virtuellen Kaffeepausen und Quizfragen ist es wichtig, sich auf den Aufbau starker Peer-to-Peer-Verbindungen zu konzentrieren.  Und Interaktionen sollten sich nicht nur auf die Arbeit beschränken. Wie in normalen Zeiten unterhalten sich die Mitarbeitende im Büro auf persönlicher Ebene und diskutieren lustige Geschichten und persönliche Erfolge. Dies muss gefördert werden, während man aus der Ferne arbeitet.  Die Mitarbeitenden werden einen unbeschwerten Einblick in das Privatleben des anderen zu schätzen wissen, und letztlich wird dies dazu beitragen, die Menschen einander näher zu bringen.

 

Täglich mit den Mitarbeitenden Kontakt aufnehmen

Wenn Mitarbeitende im Büro sind, ist es einfach, eine Minute mit ihnen zu verbringen, während sie auf dem Flur aneinander vorbeigehen, oder während der Mittagspause. Dies ist einfach nicht möglich, wenn aus der Ferne gearbeitet wird. Stattdessen müssen die Führungskräfte proaktiv Zeit dafür reservieren, um nach ihren Teams zu sehen. Und es ist wichtig, sich nicht auf E-Mails zu verlassen, die unpersönlich sein können. Video-Chats und Telefongespräche müssen Vorrang haben.

 

Die richtigen Fragen stellen

Führungskräfte sollten nicht nur fragen: „Wie geht es Dir?", sondern stattdessen fragen: "Hast Du im Moment irgendwelche Sorgen?", "Kann ich Dir bei irgendetwas helfen?" und "Worauf freust Du Dich auf diese Woche? Fragen wie diese helfen abzuschätzen, wie die Mitarbeitenden damit zurechtkommen und welche Art von Unterstützung sie brauchen könnten.

 

Anstrengungen und Erfolge anerkennen

Wertschätzung ist in schwierigen Zeiten unerlässlich. Sie trägt nicht nur dazu bei, dass sich die Menschen gut fühlen, sondern hilft auch, Menschen zu vereinen. Tatsächlich gibt es einen direkten Zusammenhang zwischen Wohlbefinden und Wertschätzung, und deshalb ist es wichtig, eine Kultur aufzubauen, in der Anstrengungen regelmässig anerkannt und Ergebnisse auf echte und sinnvolle Weise gefeiert werden. Es reicht nicht aus, gelegentlich "Danke" zu sagen, sondern die Mitarbeiter müssen aufrichtig und persönlich anerkannt werden, und, wenn möglich, sollten Manager und Kollegen in die Feierlichkeiten einbezogen werden, um das Zusammengehörigkeitsgefühl zu fördern. Wenn Mitarbeitende Anerkennung erfahren, führt dies nach unsereren Recherchen zu einer 33-prozentigen Steigerung des Zugehörigkeitsgefühls.

 

Verbinden für den Erfolg

Mehr als je zuvor müssen sich die Führungskräfte auf das emotionale und soziale Wohlbefinden der Arbeitnehmenden konzentrieren, um sicherzustellen, dass sie sich mit ihrem Arbeitgeber und ihren Kolleginnen und Kollegen verbunden fühlen. Dies ist der Schlüssel zur Bekämpfung von Einsamkeit und Ängsten, die sich auf alles auswirken können, vom Engagement der Mitarbeitenden bis hin zur Produktivität. Aktuell arbeiten viele Schweizer Arbeitskräfte angesichts der Covid-19-Pandemie noch immer physisch getrennt voneinander. Schlüsselelemente wie Inklusion bis hin zur Anerkennung der Mitarbeitenden fördern soziale Verbindungen, die dazu beitragen, die Menschen einander näher zu bringen.

 

*Robert Ordever ist Generaldirektor der Experten für Unternehmenskultur und Mitarbeiteranerkennung bei O.C. Tanner Europe.


Webdesign by Multi Digital