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Mehr Stellen – aber gibt es auch genügend Arbeitskräfte?

Der Schweiz fehlen im nächsten Jahrzehnt nach Einschätzung von Ökonomen der UBS bis zu einer halben Million Arbeitskräfte – jedoch ist nicht jede Arbeitskraft gleichermassen gesucht. Gross ist die Nachfrage in den Gesundheits- und Pflegebereichen, in vielen anderen Branchen wird die Beschäftigung hingegen stagnieren.
28. August 2019 - PD/MIG

Zwei grosse Trends prägen den Schweizer Arbeitsmarkt im nächsten Jahrzehnt: Ein Mangel an Arbeitskräften aufgrund der Pensionierung der Babyboomer und eine Fortsetzung des Strukturwandels. Ökonomen der UBS erwarten in den nächsten zehn Jahren einen Anstieg des Erwerbspotenzials um lediglich 200 000 Personen, selbst bei einer Netto-Zuwanderung von 60 000 pro Jahr. Das reiche bei Weitem nicht aus, die erwartete Nachfrage nach Arbeitskräften zu decken. Wenn sich das Beschäftigungswachstum wie seit 1960 fortsetzt (1 Prozent p.a.) fehlen der Schweiz in den kommenden zehn Jahren über 300 000 Arbeitskräfte. Bleibt die Nachfrage nach Arbeitskräften gleich stark wie in den letzten 15 Jahren (1,3 Prozent p.a.) fehlen gar 500 000.

Jedoch benötigen nicht alle Branchen mehr Arbeitskräfte: Im Gesundheits- und Pflegebereich dürfte die Nachfrage nach Arbeitskräften weiter ansteigen, in der Industrie dagegen stagnieren. Der Stellen-Boom findet vor allem in Branchen statt, in denen heute überwiegend Frauen arbeiten. Diese dürften sich in den kommenden Jahren auf dem Arbeitsmarkt besser zurechtfinden als Männer. Das macht ein Umdenken notwendig: Männer werden in Zukunft vermehrt in «Frauenberufen» Fuss fassen müssen.

 

Wie den Bedarf an Arbeitskräften decken?

In der Vergangenheit wurde der zusätzliche Bedarf an Arbeitskräften vor allem durch eine hohe Einwanderung gedeckt. In den nächsten zehn Jahren würde die Schweiz jährlich eine Netto-Zuwanderung von über 100 000 Personen benötigen, um bei einem Beschäftigungswachstum von 1 Prozent p.a. den Arbeitsmarkt auszugleichen. Eine derart starke Einwanderung trifft aber auf erheblichen politischen und gesellschaftlichen Widerstand, was auch für das Verhältnis zur EU zur Belastung werden kann. Einwanderung sollte deshalb nicht die erste und einzige Option zur Rekrutierung zusätzlicher Arbeitskräfte sein.

Wenn nicht über die Zuwanderung, dann könnte die Erwerbsbevölkerung über eine höhere Partizipationsrate gesteigert werden. Zwar beteiligen sich bereits 80 Prozent der Frauen am Arbeitsmarkt, allerdings arbeiten 45 Prozent davon Teilzeit. Insbesondere Frauen mit nicht mehr schulpflichtigen Kindern böte sich die Möglichkeit ihre Arbeitspensen (wieder) zu erhöhen und sich damit stärker am Arbeitsmarkt zu beteiligen.

Das Erwerbspotenzial kann generell durch eine stärkere Beteiligung älterer Arbeitskräfte gesteigert werden. Auf den ersten Blick besteht hier grosses Potenzial, sind die rentennahen Jahrgänge doch bevölkerungsreich. Eine fixe Erhöhung des Rentenalters trägt jedoch dem Strukturwandel der Wirtschaft nicht Rechnung. In vielen Branchen werden in Zukunft schlicht nicht mehr Arbeitskräfte benötigt. Nötig wäre daher vielmehr eine flexible Ausgestaltung des Rentenalters, so die UBS-Ökonomen. Es müssen Anreize geschaffen werden, damit in Branchen mit Arbeitskräftemangel Arbeitnehmende bereit sind über das heute bestehende Rentenalter hinaus zu arbeiten.


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