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Mensch und Maschine - eine neue Arbeitsbeziehung

Beim 16. Ostschweizer Personaltag 2020 ging es um das Thema «HR 4.0: Menschen und Maschinen – intelligent und digital». Namhafte Referenten zeigten auf, wie die Coronakrise die Digitalisierung in der Geschäftswelt beschleunigt und was dies für die Zukunft bedeutet.
09. Oktober 2020 - PD/MIG

Die Digitalisierung ist in der Arbeitswelt markant vorangeschritten. Dies unterstrich auch Abdullah Redzepi, Dozent an der OST – Ostschweizer Fachhochschule und Beiratsmitglied des Personaltags, in seiner Begrüssung. Maschinen, Technologien und künstliche Intelligenz werden künftig immer mehr Tätigkeiten übernehmen können, die bislang noch Menschen ausführen. HR, so Redzepi, müsse diese Transformation begleiten und zur treibenden Kraft der neuen Arbeitsbeziehung zwischen Mensch und Maschine werden.

 

1,5 Millionen Arbeitsplätze gehen verloren – und werden neu geschaffen

Der Technologie-Chef (CTO) von SAP Schweiz, René Fitterer, zeigte auf, dass die Architektur der digitalen Transformation effizient und erstrebenswert ist. Die Geschwindigkeit der Veränderung habe drastisch zugenommen, und überall würden Roboter entwickelt, die menschliche Arbeit ersetzten. So werden gemäss Fitterer bis 2025 rund 60 Prozent unserer Tätigkeiten automatisiert, und 1,5 Millionen Arbeitsplätze gehen verloren. Gleichzeitig aber werde die Digitalisierung gleich viele neue Arbeitsplätze schaffen. Zwei Drittel der heutigen Kinder üben künftig einen Beruf ausüben, der heute noch nicht existiere. Diese Veränderungen müssten mit Investitionen in die Weiterbildung begleitet werden. Bei SAP erziele eine Erhöhung der Weiterbildungskosten von 1 Prozent eine Verbesserung des Ergebnisses um 50 bis 60 Millionen Euro.

 

Originalität und neue Lernstrategien

Die Autorin Jannike Stöhr legte dar, wie sich Organisationen und damit die Arbeitswelt aufgrund der Globalisierung, der neuen Rolle der Frau, des demografischen Wandels und anderer Megatrends verändern. Von einer hierarchisch organisierten Arbeitswelt gehe es hin zu einer Netzwerkorganisation. Treiber dafür seien vor allem Ideen, Originalität und neue Lernstrategien. Dazu müsse man lernen, mit der vernetzten Welt umzugehen und zu kollaborieren. Die Mitarbeitenden sollten mit der Förderung von Berufsorientierung und Selbstfindung, mit der Fokussierung auf individuelle Stärken und Talente und der Förderung des Lernens im Team unterstützt werden. Aber auch Raum für intrinsische und selbstorganisierte Ausbildung und Learning by Doing müssten gefördert werden.

 

Praktiker für Förderung des Lernens

In der Diskussion, von Moderator Matthias Wipf umsichtig geleitet, bestätigte der Praktiker unter den Teilnehmenden, Byörn Mattle, Leiter HR & Academy bei der Jansen AG in Oberriet, dass die Herausforderungen gross seien und gerade die Förderung des Lernens wichtig sei. Die grösste Herausforderung bestehe darin, den Spagat zwischen Mensch und Maschine zu schaffen. Die Jansen AG versuche, alle Tätigkeiten, die wenig fehleranfällig seien, zu automatisieren und so mehr Zeit für die wertschätzenden Tätigkeiten der Mitarbeiter zu schaffen. Die Teilnehmenden der Diskussionsrunde betonten, dass Active Listening sehr wichtig sei in der heutigen Organisation. Mitarbeitergespräche sollten im Unternehmen ausgearbeitet und daraus Massnahmen abgeleitet werden.

 

Mist bauen …

Mit einer einzigartigen Kombination von Seriosität und Humor widmen sich die beiden Berater und Kabarettisten Stefan Stahl und Marco Zbinden Themen, an denen sich niemand die Finger verbrennen will. Das zukunftsgerichtete Unternehmen solle gemäss ihnen auf zwei Standbeinen stehen, nämlich Technologie und Kreativität. Der USP des Menschen sei «Mist bauen», das könne künstliche Intelligenz nicht. Menschliches Versagen sei konkurrenzlos, aber aus «Mist bauen» entstehe Kreativität. Man solle dem Zufall eine Chance geben und sehen, was dabei herauskomme. 

 

Personalgewinnung in herausfordernden Zeiten

Der Arbeitsmarkt, dies hat die Tagung gezeigt, hat sich in den vergangenen Jahren zunehmend zu einem Arbeitnehmermarkt entwickelt. Recruiter und Unternehmen müssten daher neue Methoden zur Personalgewinnung nutzen, sagte der Autor Frank Rechsteiner im abschliessenden Vortrag. Neben neuen Ideen in der Kandidatenansprache und im Employer Branding sei es vor allem wichtig, ein neues Mindset für das Recruiting der Zukunft zu entwickeln. Rechsteiner zeigte dabei wichtige Punkte auf, wie Active Sourcing, Recruiting 4.0, Content Recruiting und auch Influencer Recruiting.

 

Radikales Umdenken

Neben HR-Managern werden auch die Business-Verantwortlichen zu einem radikalen Umdenken bei der Personalgewinnung aufgefordert. Statt weiterhin stereotype Stellenanzeigen zu produzieren, müssten die Fachabteilungen gemeinsam mit den HR-Verantwortlichen Jobinhalte und Alleinstellungsmerkmale herausarbeiten, mit denen ihre Unternehmen als Arbeitgeber punkten können. Dazu müssten auch die Ziele der Teams, in denen offene Stellen zu besetzen seien, definiert und mit unternehmensspezifischen Elementen wie Vision und Leitbild verknüpft werden, so Rechsteiner.


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