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Neue Megatrends als wichtige Treiber des Wandels

Werden Maschinen die Umwelt retten? Können wir uns gesund essen? Geht digital lieben? Trendforscher halten vieles für möglich. Von den zwölf Megatrends, die das Zukunftsinstitut identifiziert hat, gelten sechs in näherer Zukunft als bedeutsam für Unternehmen. Ein Blick auf die wichtigsten Treiber des Wandels.
13. Januar 2020 Michaela Geiger

Was macht einen Trend zum Megatrend? «Megatrends sind Lawinen in Zeitlupe», beschreibt das Zukunftsinstitut. Man muss sie nicht voraussagen, denn sie sind schon da und markieren Veränderungen, die uns schon lange prägen und auch noch lange prägen werden. Megatrends sind also so etwas wie Tiefenströmungen des Wandels. Als Entwicklungskonstanten der globalen Gesellschaft umfassen sie mehrere Jahrzehnte.

Wie Konsumverhalten, Statistiken und Umfragen zeigen, sind Megatrends die grössten Kräfte des Wandels: Sie schaffen epochale Veränderungen, indem sie alle Aspekte von Wirtschaft und Gesellschaft massgeblich bestimmen. Nicht auf kurze, sondern auf lange Sicht. Ein Megatrend wirkt in jedem einzelnen Menschen und umfasst alle Ebenen der Gesellschaft: Wirtschaft und Politik, sowie Wissenschaft, Technik und Kultur. Megatrends verändern die Welt – zwar langsam, dafür aber grundlegend und langfristig.

Megatrends sind komplex – und unberechenbar. Aus unzähligen Sub- und Nebentrends bestehend, vernetzen und beeinflussen sie sich gegenseitig und generieren so laufend neue Chancen, unser Leben zu optimieren.

 

Neue Ausdrücke in der Megatrend-Map

Eine Visualisierung aller Megatrends und ihrer Schnittstellen finden Interessenten in der Megatrend-Map des Zukunftsinstituts. Beim ersten Scannen dieses Orientierungsplans fallen der Betrachterin hübsche neue Worte und Begriffe auf, wie etwas «Hygge» - die kleinen Glücksmomente des Alltags oder Work-Life-Blending als Nachfolge von der Work-Life-Balance. Oder «Condensed Space» - ein neuer Begriff für Städte als Transformatoren der Mobilität. Und «Flexicurity» als Ausdruck für den Mix zwischen Flexibilität und Sicherheit. Auch der Achtsamkeits- und Meditationstrend hat einen neuen Namen: «OMline» steht für digital erleuchtet. Auch für die jung gebliebene Generation der Babyboomer findet sich ein neuer, freundlicher Begriff: «Forever Youngsters». Der Trend zur Aglizismen schreitet mit der Globalisierung weiter fort: «Playfulness» oder «Silver Society» sind nur einige Beispiele.

 

Gemäss der Megatrend-Map gelten sechs Megatrends als besonders wichtig für Unternehmen in den 2020er Jahren:

 

Individualisierung

Heute ist der Megatrend Individualisierung noch sehr stark vom Ego geprägt. Das Ich steht im Mittelpunkt. Als zentrales Kulturprinzip der westlichen Welt ist die Individualisierung Nährboden zahlreicher Megatrends, die unsere Gesellschaftsstrukturen vor allem in den letzten Jahren massgeblich verändert haben – mit Subtrends, die bunt sind wie die Gesellschaft selbst: Diversity, Gender Shift, Neo-Tribes, LGBTQ ... Der Haken an der Sache: Individualisierung funktioniert nur dann, wenn sich das einzelne Individuum auch als solches «kennenlernt». Diese Fähigkeit der Selbsterkenntnis droht in der dauernden Reizüberflutung durch digitale Medien zu kurz zu kommen. Der Gegentrend heisst daher: Achtsamkeit. Gemeint ist damit vor allem die bewusste Wahrnehmung von uns selbst und unserer Umwelt – frei von Bewertungen, Vergangenheit oder Zielen.

Künftig aber wird er vermehrt auf «Tribes», Community und kollektive Intelligenz bauen. Individualisierung wandelt sich und drückt sich in einer neuen Wir-Kultur aus. Gemeinschaften, Kollaborationen und Kooperationen rücken statt des Ich in den Fokus. Für Unternehmen hat dies vor allem Einfluss auf die Art, wie im Team zusammengearbeitet wird und wie Organisationen geführt werden.

 

New Work

In der Arbeitswelt bewegen wir uns mit der zunehmenden Digitalisierung immer mehr auf eine Symbiose aus menschlicher Kreativität und so genannter künstlicher Intelligenz hin. Die Maschine verarbeitet und kombiniert ungeahnte Datenemengen, der Mensch lenkt und stellt die richtigen Fragen. Heute sind Experten der Ansicht, dass mit der Digitalisierung zwar Jobs wegfallen, aber sie durch neue ersetzt werden. Viele Jobsuchende der Gen Y und Gen Z werden in Berufen arbeiten, von denen heute noch nicht mal die Begriffe dafür existieren. Georges T. Roos, Luzerner Trend- und Zukunftsforscher, sagt: Künstliche Intelligenz wird jene wettbewerbsfähiger machen, die sie schnell adaptieren.

 

Silver Society

Alles konzentriert sich im Moment auf neue Technologien. Die älter werdende Gesellschaft steht dadurch im Schatten und wird völlig unterschätzt. Doch auch wenn das Pro-Aging derzeit noch unter Wert geschlagen wird, sind Unternehmer gut beraten, sich diese Potenziale zu erschliessen. Die Silver Society bedeutet eine Umkodierung der Wirtschaft, die sich im kommenden Jahrzehnt deutlich zeigen wird. Menschen in der zweiten Lebenshälfte haben eine andere Sicht auf Leistung, Wachstum und Innovation als die Jüngeren. Zudem schätzen sie Vorgänge in Unternehmen, was wichtig und richtig ist, anders ein. Diese Routiniers sind ein unglaublicher Erfahrungsschatz und Hort der Gelassenheit. Die Alterung der Gesellschaft wird zwar grossteils als Problem betrachtet, sie kann aber, gerade in Unternehmen, zu ihrer Vitalisierung beitragen.

 

Konnektivität

Wir leben in einem Netzwerk von Netzwerken. Jeder ist mit jedem und allem verbunden, immer und überall. Dieser Umstand fordert uns technologisch, er fordert uns aber vor allem sozial, in unserer Haltung und unserem Denken. Das Zusammenspiel zwischen Menschen und Technologie, der Umgang mit den neuen Möglichkeiten, wird sich in den 2020er Jahren richtungsweisend entwickeln, wenn der gegenwärtige technologische Hype umfassender begriffen wird. Wenn sich herauskristallisiert, wie und wo wir Technologie wirklich effizient einsetzen können und wollen, ergeben sich hier enorme Potenziale zur Effizienzsteigerung und für neue Geschäftsmodelle.

 

Neo-Ökologie

Bio-Märkte, EU-Plastikverordnung, Energiewende – der Megatrend Neo-Ökologie reicht in jeden Bereich unseres Alltags hinein. Ob persönliche Kaufentscheidungen, gesellschaftliche Werte oder Unternehmensstrategie – selbst wenn nicht immer auf den ersten Blick erkennbar, entwickelt er sich nicht zuletzt aufgrund technologischer Innovationen mehr und mehr zu einem der wirkmächtigsten Treiber unserer Zeit. Der Megatrend sorgt nicht nur für eine Neuausrichtung der Werte der globalen Gesellschaft, der Kultur und der Politik. Er verändert unternehmerisches Denken und Handeln in seinen elementaren Grundfesten.

 

Wissenskultur

In unserer komplexen Welt ist Wissen fluide, deshalb rücken vor allem implizite Fähigkeiten in den Fokus, die uns erlauben, agil zu sein und auf Veränderungen und Überraschungen zu reagieren. Ganzheitliches, systemisches Denken, Kontextbildung und Beobachtung zweiter Ordnung werden ebenso zu Kernkompetenzen wie zutiefst (zwischen-)menschliche Qualitäten. Gerade für Führungskräfte sind sie enorm wichtig, um mit der Organisation und den Mitarbeitern zu kommunizieren.


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