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New Work: ILO sieht neue Gesundheitsrisiken

Mit neuen Technologien und der Automatisierung sowie veränderten Formen der Arbeit können neue gesundheitliche Risiken entstehen. Darauf weist die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) in einer aktuellen Publikation hin und fordert ein Überdenken grundlegender Arbeitnehmerrechte.
10. Mai 2019 Michaela Geiger

Die Arbeitswelt befindet sich im Umbruch. Digitalisierung und der Einsatz neuer Technologien, demografische Veränderungen sowie der Klimawandel sowie der Wandel zur Green Economy entfalten zunehmend ihre transformative Wirkung. «Diese Veränderungen werden neue Herausforderungen und Möglichkeiten für die Sicherheit und Gesundheit der Arbeitnehmer in der Welt mit sich bringen», heisst es in einem Bericht der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) in Genf vom 15. April 2019 mit dem Titel «Safety and Health at the heart of the Future of Work».

Darin fordert die Organisation angesichts des sich rasant wandelnden Arbeitsumfelds neue Anstrengungen im Arbeitsschutz. Arbeit ist demnach zwar entscheidend für die Art und Weise, wie wir unser Leben führen, Menschen aus der Armut befreien und so manches Gefühl von Identität und Zweck vermitteln, aber sie könne auch gefährlich und ungesund sein, wenn Gesundheits- und Sicherheitsrisiken nicht angemessen gemanagt werden. «Es ist wichtig, auf eine Zukunft hinzuarbeiten, in der das Möglichste getan wird, um die Sicherheit und Gesundheit der Arbeitnehmer in der Welt zu gewährleisten», betonen die ILO-Autoren.

Laut ILO-Bericht ergeben sich zwar viele Chancen durch neue Technologien. Doch auch die gesundheitlichen Risiken nehmen zu, belegt durch Statistiken zu Herz-Kreislauf- und Atemwegserkrankungen, Krebs sowie psychosoziale Risiken und Stress. Vor allem die Digitalisierung und die wachsende Zahl von Telearbeitsplätzen, die Automatisierung und die Flexibilisierung von Anstellungsverhältnissen führten zu neuen Bedingungen, an welche der Arbeits- und Gesundheitsschutz angepasst werden müsse.

 

Mehr Gesundheitsschutz auch im Homeoffice

Die Digitalisierung und neue Kommunikationstechnologien ermöglichen unter anderem das Arbeiten im Homeoffice. Dadurch können der Arbeitsweg und damit verbunden Stress und Unfallgefahren eingeschränkt werden, andererseits fehle es im Homeoffice häufig an ergonomisch ausgestatteten Arbeitsplätzen. Dazu kommt eine zunehmende Belastung durch die stärkere Nutzung von mobilen Geräten (Smartphone und Tablet) und die häufigere Arbeit im Sitzen. Zudem sehen die Autoren der ILO einen möglichen Anstieg psychologischer Risiken, beispielsweise durch die drohende soziale Isolation am Heimarbeitsplatz oder dadurch, dass Mitarbeitende der Ansicht sind, sie müssten stets erreichbar sein.

 

Mehr Automatisierung hat Vor- und Nachteile

Die Autoren des ILO-Berichts sehen auch einen starken Einfluss durch Automatisierung und Robotik auf den Arbeits- und Gesundheitsschutz. Arbeitnehmende seien durch die Automatisierung einerseits weniger Risiko ausgesetzt. Roboter und Exoskelette schützten Menschen vor gefährlichen Aufgaben und vor damit verbundenen Stress-Situationen. Zudem könnten automatisierte Analysen besser gefahren Erkennen und vor Gefahren warnen.

Andererseits gibt es neue Herausforderungen an solchen Arbeitsplätzen – zum Beispiel ergonomische Risiken in der Mensch-Maschine-Interaktion, Belastung durch elektromagnetische Felder und die Unfallgefahr durch fehlendes Verständnis, fehlende Kontrolle oder falsches Vertrauen in die Funktionsweise der Robotik. Wie die Autoren des ILO-Berichts weiter betonen, bringt die mit der Automatisierung einhergehende gefühlte Jobunsicherheit auch als psychologische Belastung gewisse Risiken mit sich bringt.

Immer mehr Arbeitnehmende sind ausserdem in Temporärarbeitsstellen, Teilzeit und anderen flexible Beschäftigungsverhältnissen engagiert oder selbständig tätig. Nicht jeder verkrafte solche atypischen Beschäftigungsverhältnisse gleich gut, so die ILO-Autoren. Starke gesundheitliche Risiken können laut Bericht die Folge sein. Ungewollte Jobwechsel oder wechselnde Aufgabengebiete führten zudem zu Stress und könnten psychologische Probleme hervorrufen.

Die Autoren drücken die Befürchtung aus, dass solche schwierigen Arbeitsverhältnisse und die damit einhergehenden gesundheitlichen Risiken in den kommenden Jahren zunehmen werden. Crowdworking und Gig-Economy führten zur Zunahme von zeitlich begrenzter Arbeit an Projekten. Dadurch hätten Arbeitnehmer weniger Möglichkeiten zu Erholungszeiten und Ferien oder geregelten Arbeitszeiten.

Die ILO-Global Commission on the Future of Work fordert vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen und den daraus resultierenden Bedingungen eine neue Ausrichtung des Arbeits- und Gesundheitsschutzes. Erforderlich sei eine universelle Arbeitsgarantie, einschliesslich grundlegender Arbeitnehmerrechte. Neue Risiken müssten nun von Behörden, Arbeitgeber und Arbeitnehmer untersucht und Arbeitsstandards - wo nötig - verbessert werden. Eine stärkere Zusammenarbeit von Unternehmen, Behörden und Akteuren des Gesundheitswesens hält die ILO für erfoderlich.

Der gesamte Bericht mit dem Titel "Safety and Health at the heart of the Future of Work" steht auf der Website der ILO zum Download zur Verfügung.

 


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