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Nicht alle Stelleninserate glänzen durch sprachliche Gewandtheit

Eine Studie von JobCloud und ZHAW zeigt: Es gibt viele Arten, eine Stellenanzeige zu formulieren. Und genderneutrale Stelleninserate sind noch kein Standard.
08. Januar 2020 - PD/MIG

Inserat ist nicht gleich Inserat: Stellenangebote unterscheiden sich stark in ihrer Tonalität und sprachlicher Gestaltung. Es lassen sich sogar branchenspezifische Eigenheiten bezüglich des Schreibstils, dem Einbezug des Geschlechts und der generellen Lesbarkeit ausmachen. Diese und weitere Insights zum Schweizer Stellenmarkt bieten die JobCloud Market Insights, eine Studie, die JobCloud gemeinsam mit der ZHAW herausgibt. In dieser Studie wurden mehrere hunderttausend Inserattexte auf jobs.ch und jobup.ch, den führenden Stellenportalen der Schweiz, analysiert.

Chemie- und Pharmaunternehmen fallen besonders durch positiv besetzte Ausdrücke in ihren Stelleninseraten auf. Auch die Energie- und Wasserwirtschaft vermittelt in ihren Ausschreibungen sprachlich eine gute Stimmung – obwohl die Texte eher kompliziert geschrieben sind. Unternehmensberatungen und Banken fallen ebenfalls durch eine positive Sprache auf. Umgekehrt gilt: Negativ konnotierte Ausdrücke finden sich vor allem in Stelleninseraten des Gesundheits- und Sozialwesens, bei der öffentlichen Verwaltung, Verbänden und im Bereich Transport/Logistik. Den grössten Anteil machen noch immer neutral formulierte Stelleninserate aus. Ausgeschriebene Stellen in den Branchen Maschinen- und Anlagebau, bei Versicherungen und in der IT sind hingegen meist neutral formuliert.

 

Genderneutrale Stelleninserate noch kein Standard

Noch haben nicht alle Branchen den Umgang mit gendergerechter Sprache gemeistert. Ausschreibungen aus den Bereichen Informatik und Telekommunikation, Land- und Forstwirtschaft sowie Rechts- und Unternehmensberatung verwenden kaum geschlechtsspezifsche Formulierungen. Eine geschlechtsspezifische Ansprache und der damit einhergehende sprachliche Miteinbezug von Frauen findet sich am häufigsten bei Stellen im Bildungswesen, der öffentlichen Verwaltung, dem Detail- und Grosshandel und im Dienstleistungsbereich. Davide Villa, CEO von JobCloud: «Die Vermutung liegt nahe, dass gewisse Branchen einen bewussteren Umgang mit Sprache pflegen, da beide Geschlechter im Alltag bereits ungefähr gleich stark vertreten sind».

 

Die Höflichkeitsform dominiert (noch)

Die Ansprache potentieller Mitarbeitenden verrät schon im Stelleninserat einiges über das Arbeitsumfeld. Medizinaltechnik und Personalberatung sind hier konservativ und siezen ihre Kandidaten auch vornehmlich. In der Medienbranche wird hingegen immer öfter im Stelleninserat geduzt. Auch Unternehmen aus den Bereichen IT und Telekommunikation, Detail- und Grosshandel, Energie- und Wasserwirtschaft sowie Transport und Logistik setzen teilweise auf das unkomplizierte Du in der Bewerberansprache.

 

Einfache Lesbarkeit bleibt Herausforderung

Prof. Dr. Frank Hannich, ZHAW: «Stelleninserate sind als ‘Genre’ eher komplex in ihren Formulierungen. Es lohnt sich also, bewusst möglichst einfach zu bleiben.» Wichtige Parameter der Analyse sind die verwendete Anzahl an Fremdwörtern sowie die Satzlänge und Silbenzahl der Worte. Eine Vorreiterrolle für Verständlichkeit nehmen das Bildungswesen, die Land- und Forstwirtschaft sowie Transport und Logistik ein: Sie formulieren Stelleninserate verständlich und klar. Umgekehrt sind Inserate aus der Energie- und Wasserwirtschaft, von Banken und Finanzinstituten und aus der Industrie komplexer formuliert.


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