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OECD-Studie: Studium bringt deutlich mehr Einkommen

Bildung zahlt sich aus – je höher der Abschluss, desto besser im Schnitt die Berufs- und Verdienstaussichten. Das belegt die neue OECD-Studie « Bildung auf einen Blick 2019», die jetzt der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Frauen haben allerdings Nachholbedarf.
13. September 2019 Michaela Geiger

Die Studie Bildung auf einen Blick ist Teil der OECD-Kampagne «I am the Future of Work» zur Zukunft der Arbeit. Sie vergleicht Bildungssysteme und Bildungsausgaben der 36 OECD-Länder und zehn weiterer Länder, darunter die Schweiz (detaillierte Ergebnisse siehe OEDC-Country Note)

Die höhere akademische und berufliche Bildung ist der diesjährige Schwerpunkt der Studie. Sie wird OECD-weit immer stärker nachgefragt: 2018 hatten in den OECD-Ländern im Schnitt 44 Prozent der jungen Erwachsenen zwischen 25 und 34 Jahren einen solchen tertiären Abschluss. Zehn Jahre vorher waren es nur 35 Prozent.

Die Studienergebnisse zeigen, dass trotz steigender Studierendenzahlen an Fach- und Hochschulen und in der höheren beruflichen Bildung das Angebot die Nachfrage nach höheren Qualifikationen nicht überschreitet. Im Gegenteil: Wer einen höheren Bildungsabschluss besitzt, verdient im Schnitt mehr – und zwar über alle Fachrichtungen hinweg – und ist seltener arbeitslos.

Bachelorbildungsgänge stehen meist am Anfang einer solchen Berufslaufbahn. Der Anteil junger Erwachsener, die einen Bachelorabschluss erwerben, ist mit 24 Prozent höher als je zuvor. Hingegen ist der Anteil der Erwachsenen, die einen Master- oder Promotionsabschluss erwerben, über die Generationen hinweg konstant geblieben. Diese Abschlüsse bieten attraktive Renditen auf die anfänglichen Investitionen. Während in mehr als der Hälfte der OECD-Länder die durchschnittlichen jährlichen Kosten eines Master- oder Promotionsbildungsgangs denen eines Bachelorbildungsgangs entsprechen, verdienen Absolventen von Master- oder Promotionsbildungsgängen im Durchschnitt 32 Prozent mehr.

«Bildung lohnt sich und es gibt keinerlei Anzeichen dafür, dass der Arbeitsmarkt für höhere Qualifikationen gesättigt ist», sagte Ludger Schuknecht, OECD-Vize-Generalsekretär bei der Vorstellung der Studie. «Alles weist darauf hin, dass im Zuge der sich verändernden Arbeitswelt in Zukunft besonders Jobs mit niedrigem Qualifikationsprofil wegfallen werden und der Bedarf an Fachkräften zunimmt, die kreativ sind, analytisch denken und selbständig handeln». (Rede lesen)

 

Bildung als Grundlage für Beschäftigung

Mit 88 Prozent ist die Beschäftigungsquote junger Erwachsener zwischen 25 und 34 Jahren mit Masterabschluss oder vergleichbarem Abschluss sehr hoch. Aber auch für junge Erwachsene mit mittlerem Bildungsabschluss (abgeschlossene Berufsausbildung, Abitur, nicht-tertiärer Bildung nach dem Sekundarbereich) sind die Beschäftigungsaussichten gut. Ihre Beschäftigungsquote hat sich in den vergangenen zehn Jahren von 78 auf 84 Prozent erhöht, wobei hier auch konjunkturelle Einflüsse eine Rolle spielen. Absolventen der Geistes- und Sozialwissenschaften, des Journalismus und Informationswesens verdienten im Schnitt 33 Prozent mehr als Menschen mit höherer Sekundarbildung. Absolventen aus dem Bereich Ingenieurwesen, verarbeitendes Gewerbe und Baugewerbe sogar durchschnittlich 116 Prozent mehr.

 

Technisches Know-how ist besonders nachgefragt

«Eine grosse Herausforderung ist es sicherzustellen, dass in dieser sich rasch wandelnden Welt die richtigen Kompetenzen verfügbar sind», heisst es in der Studie weiter. Einige Wirtschaftsbranchen haben nach wie vor Schwierigkeiten, qualifizierte Arbeitskräfte zu finden. Einer der Gründe: Immer noch entscheiden sich weniger als 15 Prozent der Anfänger in Bachelor-Studiengängen für Ingenieurwesen, verarbeitendes Gewerbe und Baugewerbe und weniger als 5 Prozent für Informatik und Kommunikationstechnologie.  2017 erwarben nur 14 Prozent bzw. 4 Prozent der Absolventinnen und Absolventen einen Abschluss in diesen Fächergruppen – «obwohl diese Fächergruppen am häufigsten mit technologischem Fortschritt assoziiert werden und die besten Arbeitsmarktergebnisse hervorbringen», so die Studie.

 

Bildungseinrichtungen orientieren sich an Arbeitsmarktanforderungen

Wie die Studie zeigt, passen sich immer mehr Bildungseinrichtungen den sich verändernden Arbeitsmarktanforderungen an, schaffen flexible Wege in die tertiäre Bildung, verbinden akademische und praktische Wissensvermittlung, arbeiten enger mit Arbeitgebern, Industrie und Weiterbildungseinrichtungen zusammen. Die duale Ausbildung und das duale Studium sind lange praktizierte, erfolgreiche Verknüpfungen von Theorie und Praxis in Ländern wie der Schweiz und Deutschland. Aber auch hier kann noch mehr getan werden, beispielsweise indem der Übergang zwischen dualer Ausbildung und Hochschule erleichtert wird.



Frauen studieren häufiger, profitieren jedoch weniger davon

Unter den jungen Erwachsenen sind es OECD-weit vor allem Frauen, die über eine tertiäre Ausbildung verfügen. Im Schnitt der OECD-Länder haben 51 Prozent der Frauen im Alter zwischen 25 und 34 Jahren einen tertiären Abschluss, bei Männern der gleichen Altersgruppe sind es 38 Prozent. Gleichzeitig verdienen aber besonders höherqualifizierte Frauen deutlich weniger als Männer mit vergleichbarem Abschluss. «Ein Grund dafür mag sein, dass Frauen eher in Bereichen arbeiten, in denen niedrigere Gehälter gezahlt werden, wobei bei der Berufswahl oft auch Stereotype zu männlichen oder weiblichen Berufen eine Rolle spielen», so die Bildungsforscher. Dem könne durch Programme zur Förderung von Frauen und Männern in Feldern, in denen sie bisher unterrepräsentiert sind, begegnet werden.

Zudem steigen Frauen auch häufiger aus familiären Begründen eine Zeit lang aus dem Arbeitsleben aus oder arbeiten mit reduzierter Stundenzahl, was zu geringerer Bezahlung aber auch zu schlechteren Aufstiegschancen im späteren Berufsleben führen kann. «Hier sind Anreize sinnvoll, die Auszeiten zur Kindererziehung für beide Geschlechter in ähnlicher Weise attraktiv machen, aber auch Maßnahmen, die eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf fördern», empfiehlt die OECD.

 

Höher Qualifizierte bilden sich häufiger weiter

Aus dem OEDC-Report lässt sich auch herauslesen, dass die Teilnahme Erwachsener an Aus- und Weiterbildung von der Vorbildung abhängt. Unter den Personen mit einem niedrigen Bildungsstand, also jenen, die sie am nötigsten brauchen, seien die Teilnehmerzahlen durchschnittlich um 40 Prozentpunkte niedriger als unter den Höherqualifizierten.

Ein zentrales Entwicklungsziel der OECD zum Thema Bildung ist daher der gleichberechtigte Zugang zu hochwertiger Bildung und lebenslangen Lern-möglichkeiten. «Es trägt den vielen alternativen Möglichkeiten Rechnung, durch die Jugendliche und Erwachsene die für einen leichteren Übergang zum Arbeitsmarkt erforderlichen Kompetenzen erwerben und ein besseres Leben führen können», so die Bildungsforscher. Konkret formulieren sie das Ziel so: «Bis 2030 den gleichberechtigten Zugang aller Frauen und Männer zu einer erschwinglichen und hochwertigen fachlichen, beruflichen und tertiären Bildung einschliesslich universitärer Bildung gewährleisten.»

 

 


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