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Outplacement: Die Mehrheit der Stellensuchenden über 50 findet wieder eine neue Stelle

Die aktuelle Markterhebung des Schweizerischen Branchenverband für Outplacement (ACF) zeigt, dass die im Jahr 2019 vom ACF betreuten rund 4000 Stellensuchende im Durchschnitt nach etwas mehr als sieben Monaten eine neue Beschäftigung fanden.
13. März 2020 - PD/MIG

Die Wahrscheinlichkeit, innerhalb von acht Monaten oder weniger wieder eine Arbeit zu finden, liegt bei rund 85 Prozent und befindet sich damit auf dem höchsten Niveau seit 2015. Dies trifft auch für Arbeitslose über 50 Jahre zu. Das persönliche Networking bleibt der wichtigste Erfolgsfaktor bei der Stellensuche. Die Bedeutung von Outplacement hat auch als wichtiger Indikator für eine wertschätzende Trennungskultur im Employer Branding von Unternehmen weiter zugenommen.

Seit 2003 erhebt der Schweizer Branchenverband für Outplacement ACF (Schweizerischer Verband der Unternehmen für persönliche und organisatorische Veränderung) Schlüsseldaten zur Wiedereingliederung der von ihm betreuten Stellensuchenden in der Schweiz. Die aktuelle Statistik umfasst die Daten über fünf Jahre von 2015 bis 2019. Die Ergebnisse für 2019 zeigen, dass es im vergangenen Jahr im Durchschnitt rund 7,3 Monate dauerte (2018: 7,4), bis die Betroffenen einen neuen Arbeitgeber gefunden haben. Im Jahresdurchschnitt der vergangenen vier Jahre dauerte es rund 7,4 Monate. Die Wahrscheinlichkeit, innerhalb von 8 Monaten oder weniger wieder eine Arbeit zu finden, liegt bei rund 85 Prozent und befindet sich damit auf dem höchsten Niveau seit 2015.

 

Bewerber über 50 Jahren haben immer noch gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt

Auch für Stellensuchende über 50 Jahre dauerte es im vergangenen Jahr durchschnittlich rund 7 Monate, bis sie eine neue Beschäftigung antreten konnten. Gegenüber dem Vorjahr ist der Wert wieder leicht angestiegen (2018: 6,2), liegt jedoch unter dem Jahresdurchschnitt der vergangenen vier Jahre von rund 7,8 Monaten. Ebenfalls zeigt sich: Die Mehrheit der von ACF Switzerland betreuten Stellensuchenden über 50 findet eine neue Stelle, und es dauert etwa gleich lang wie für die übrigen Altersgruppen.

Die häufig gehörte Meinung, dass Bewerber über 50 Jahren keine Chancen auf dem Arbeitsmarkt hätten, wird in der neusten Marktumfrage des Schweizer Outplacement-Verbands erneut nicht bestätigt. Die Erfahrungen der Berater von ACF zeigen, mitentscheidend sind weniger das Alter als die Einstellung und Bereitschaft zu einer beruflichen Neuorientierung. Insbesondere gut ausgebildete Fach- und Führungskräfte seien sich bewusst sind, dass es zwar schwieriger wird, sehen im Verlauf von individuellen Outplacement-Programmen jedoch auch, dass es andere Wege gibt, und sind entsprechend zu gewissen Konditionen bereit.

 

Persönliches Networking ist das wichtigste Erfolgskriterium für Stellensuchende

Laut dem Schweizer Branchenverband für Outplacement zeigen die aktuellen Marktdaten, dass eine professionelle Betreuung bei der Wiedereingliederung in den Arbeitsprozess hilfreich ist. Entscheidend dabei ist gemäss den Experten von ACF jedoch das richtige Vorgehen, gerade für Arbeitssuchende im Alter von 50plus. Der erfolgreichste Kanal für diese Altersgruppe ist nicht der offene Stellenmarkt (d.h. die Bewerbung auf ausgeschriebene Stellen), sondern die Konzentration auf das persönliche Beziehungsnetz mit Freunden, Bekannten und ehemaligen Berufskollegen, um mit potenziellen Zielfirmen und -positionen in Kontakt zu kommen. In fast der Hälfte der Fälle (44,8 Prozent) haben Stellensuchende damit ihren neuen Job gefunden, leicht mehr als im Vorjahr (2018: 43,9 Prozent).

 

Trend zur Nutzung von Social Media steigt nicht so stark wie vermutet

An zweiter Stelle stehen Inserate und Internet mit 31,4 Prozent (2018: 29,2 Prozent). Personaldienstleister sind für 10,21 Prozent (2018: 11,61 Prozent), innerbetriebliche Umsetzung bei 5,5 Prozent (2018: 7,16 Prozent) aller Fälle verantwortlich. Der Anteil von Spontanbewerbungen hat leicht zugenommen auf 5,46 Prozent (2018: 3,18 Prozent), während die Nutzung von Social-Media-Kanälen nur noch bei 2,6 Prozent (2018: 5 Prozent) zu einer neuen Anstellung führte, dem niedrigsten Wert der letzten fünf Jahre. Gemäss den Erfahrungen der Outplacement-Experten von ACF können Social Media dann wirksam sein, wenn sie in Kombination mit anderen Kanälen und als Mittel zum Ziel genutzt werden.

 

Firmen schätzen immer mehr die Seniorität von gut ausgebildeten Kräften

In Zeiten von immer komplexer werdenden Märkten und Aufgabenstellungen zählt neben Wissen vor allem Berufserfahrung. Besonders über 50-jährige sollten das zu ihrem Vorteil ausspielen, um ihren Wert auf dem Arbeitsmarkt zu steigern. Nach Meinung der Experten von ACF Switzerland gilt es das Selbstbewusstsein insbesondere in Bezug auf Mobilität, Agilität und Flexibilität zu stärken. Ebenso sind Teilzeit- und Jobsharing-Optionen oder eine sogenannte Portfoliokarriere, d.h. die Kombination von verschiedenen Jobs und Projekten zu einem erfolgreichen Portfolio, eine Möglichkeit, den eigenen beruflichen Weg zu gestalten. Und nicht zuletzt ist auch der Schritt in die Selbstständigkeit genau zu prüfen.

 

Individuellen Bedürfnissen der Betroffenen Rechnung tragen

Nach einem Höhepunkt im Jahr 2015 mit rund 4’700 ist die Anzahl der von ACF betreuten Stellensuchenden von 2017 an kontinuierlich zurückgegangen auf rund 4'000 im Jahr 2019. Davon suchten letztes Jahr rund 2'800 ein individuelles Coaching nach, was knapp 70 Prozent der gesamten Outplacement-Programme entspricht, nachdem dieser Anteil in den Jahren 2016 bis 2018 jeweils mehr als 80 Prozent betrug. Demgegenüber machen Gruppen-Outplacements – d.h. Programme in Gruppen mit Arbeitsformen vom kurzen Workshop bis zur umfassenden Begleitung von Restrukturierungen in Zusammenarbeit mit den jeweiligen Unternehmen – rund 30 Prozent der Wiedereingliederungsprogramme aus.

Insgesamt korreliert die Entwicklung der Anzahl der von ACF betreuten Stellensuchenden mit der Arbeitslosenquote. Letztere hat 2017 einen Höchststand erreicht und ist seitdem rückläufig (vgl. Quelle: Seco). Dass klar mehr Einzel-Outplacements durchgeführt werden führen die Experten von ACF darauf zurück, dass vor allem den individuellen Bedürfnissen in der Beratung und Begleitung von ausscheidenden Mitarbeitenden Rechnung getragen werden soll. Da schon lange nicht nur Geschäftsführende und Führungskräfte, sondern immer mehr auch Fachspezialisten von Einzel-Outplacement profitieren, verlangt von der Beratung insbesondere sehr gute Kenntnisse der Wirtschaftslage, der aktuellen Trends auf dem Arbeitsmarkt und der spezifischen Branchen.

 

Bildungsniveau steigt weiter

Seit 2018 verfügt mehr als die Hälfte der Stellensuchenden (54,15 Prozent) über einen Universitäts- oder Fachhochschulabschluss (2018: 52,36 Prozent), was nicht zuletzt auf den über die vergangenen Jahre stetig gestiegenen Anteil der Stellensuchenden aus dem in der Schweiz starken Dienstleistungsbereich zurückzuführen ist: 2019 kam die Mehrheit (50,41 Prozent) aus dem Dienstleistungssektor (2018: 46,42 Prozent), gefolgt vom Industriesektor mit nur noch 37,91 Prozent (2018: 44,36 Prozent), der damit auf den tiefsten Stand seit 2015 zurückgegangen ist. Die Zahl der Stellensuchenden aus Verwaltungsstellen hat leicht zugenommen auf rund 5 Prozent (2018: 3,63 Prozent), diejenige von Non-Profit-Organisationen auf 6,7 Prozent (2018: 5,6 Prozent).

 

Der Dienstleistungssektor stellte ebenso viele Kandidaten ein wie er entlassen hat

Mehr als die Hälfte der Kandidaten (50,11 Prozent) fand eine Wiederanstellung im Dienstleistungssektor (2018: 49,5 Prozent), 32,44 Prozent konnten im Industriesektor wiederbeschäftigt werden (2018: 32,12 Prozent), 5,47 Prozent bei Verwaltungen (2018: 5,05 Prozent), und nur noch rund 3 Prozent bei Non-Profit-Organisationen (2018: 4,66 Prozent). Den Sprung in die Selbständigkeit hingegen wagten 2019 mit rund 9 Prozent erneut mehr Stellensuchende (2018: 8,67 Prozent).

 

Outplacement-Angebote können Arbeitgeber-Image auch in schwierigen Zeiten stärken

Das Trennungsmanagement bleibt ein wichtiger Bestandteil einer guten HR-Strategie. Gemäss den Beobachtungen der Experten von ACF Switzerland wissen viel Unternehmen, dass neben der Rekrutierung von Talenten und deren Weiterentwicklung ebenso die Art und Weise, wie eine Trennung von Mitarbeitenden erfolgt, einen relevanten Stellenwert gerade auch im Employer Branding einnimmt. Was ausscheidende Mitarbeitende in der Folge über das Unternehmen sagen, hat auch eine Signalwirkung für verbleibende Mitarbeitende, Kunden, Lieferanten und Bewerber.

Gleichzeitig ist die Trennungskultur in vielen Unternehmen noch immer ausbaufähig. Gemäss der neusten Marktanalyse des Branchenverbands ACF Switzerland hat dabei die Bedeutung von Outplacement als wichtiger Indikator für eine wertschätzende Trennungskultur weiter zu genommen. Die professionelle Beratung zur beruflichen Neuorientierung ist zum festen Bestandteil von Trennungspaketen bei vielen KMU und Grosskonzernen, aber auch bei staatlichen Institutionen und Verbänden geworden. So beobachten die Experten von ACF Switzerland, dass Unternehmen mit zielgerichteten Outplacement-Angeboten die Möglichkeit nutzen, im Rahmen eines ganzheitlichen Trennungsmanagements ihren Ruf auf dem Arbeitsmarkt zu entwickeln und zu stärken, gerade auch in schwierigen Zeiten.


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