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Rassismus am Arbeitsplatz hat gegenüber dem Vorjahr abgenommen

Die Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus (EKR) hat 2019 eine starke Zunahme der gemeldeten und als rassistisch eingestuften Fälle von Diskriminierung verzeichnet. Gemeldete Fälle fanden auch am Arbeitsplatz statt.
29. April 2020 Michaela Geiger

Die am häufigsten gemeldeten Formen rassistischer Diskriminierung waren Benachteiligungen und Beschimpfungen. Das häufigste Motiv war die Ausländerfeindlichkeit/Fremdenfeindlichkeit, gefolgt vom Rassismus gegen Schwarze und von Muslimfeindlichkeit. Erkennbar ist ausserdem eine Zunahme von Fällen mit rechtsextremem Hintergrund.

Der Arbeitsplatz mit insgesamt 50 Fällen verzeichnet im Vergleich zum Vorjahr eine Abnahme an registrierten Fällen und liegt neu an zweiter Stelle. Der öffentliche Raum ist mit 62 Beratungsfällen der am stärksten betroffene Lebensbereich. Häufig wird auch rassistische Diskriminierung in der Nachbarschaft, im Bildungsbereich und bei Kontakten mit der Verwaltung und der Polizei gemeldet.

Auf der Website des Beratungsnetzes für Rassismusopfer werden Fallbeispiele aus der Praxis berichtet. Unter anderem diese Beispiele aus der Arbeitswelt:

«Eine Frau bewarb sich auf eine Stelle, für die sie fachlich qualifiziert war. In der Stellenausschreibung wurde explizit erwähnt, dass der Arbeitgeber nach einer Schweizerin suche. Die sich bewerbende Person war Schweizerin und mit einem Ausländer verheiratet. Als Nachname trug sie sowohl ihren als auch denjenigen ihres Ehemannes. Die Frau erhielt auf ihr Bewerbungsschreiben keine Antwort. Einige Zeit später sah sie, dass dieselbe Stelle erneut ausgeschrieben worden war. Sie vermutete, dass sie aufgrund ihres Nachnamens nicht in Betracht gezogen wurde.» Die Diskriminierung wegen der Herkunft oder der Staatsangehörigkeit bei Stellenbewerbungen ist laut EKR leider verbreitet. Die EKR ist der Meinung, dass solche Stellenausschreibungen aufgrund ihres diskriminierenden Motivs unzulässig sind. Der Stellenbewerberin wurde geraten, sich beim Arbeitgeber und beim Stellenvermittlungsbüro zu melden.

Weiteres Beispiel: «Eine Frau mit deutscher Staatsangehörigkeit sucht eine Arbeitsstelle. Sie lebt seit knapp zwei Jahren in der Schweiz. Einige Male war sie in der engeren Auswahl für eine Stelle. Gemäss ihren Angaben wurde sie aber bereits zweimal auf Grund ihrer Herkunft nicht eingestellt. Die letzte Absage begründete der Arbeitgeber mit dem Hinweis: «Die andere Person ist Schweizerin, Sie leider nicht.» Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt sei ein allgegenwärtiges Problem, so das EKR. Kommt es zusätzlich zu beleidigenden Äusserungen, können rechtliche Schritte gegen Arbeitgeber eingeleitet werden.

 

Der Bericht des Beratungsnetzes für Rassismusopfer zieht jedes Jahr eine Bilanz über die Vorfälle, die an die Beratungsstellen herangetragen werden. Dabei erhebt der Bericht nicht den Anspruch, eine vollständige Bestandsaufnahme der Rassismusvorfälle in der Schweiz zu sein. Die für 2019 festgestellte starke Zunahme der gemeldeten und als rassistisch eingestuften Fälle von Diskriminierung bedeute auch nicht unbedingt, dass der Rassismus in der Schweiz zugenommen hat, heisst es im Bericht «Rassismusvorfälle aus der Beratungspraxis». Doch es zeige, dass die Betroffenen eher bereit sind, sich an Beratungsstellen zu wenden.

«Es ist nicht immer leicht, den Schritt zu wagen und über die eigenen Diskriminierungserfahrungen zu sprechen, dazu gehört viel Vertrauen», so der Bericht weiter. Ein wichtiger Teil der Präventionsarbeit gegen rassistische Diskriminierung bestehe daher darin, auf die Beratungsstellen aufmerksam zu machen und über ihre Angebote und Arbeitsweise zu informieren. «Anstrengungen wurden dahingehend unternommen und müssen auch weiterhin fortgesetzt werden.»

Das zeigen auch weitere Zahlen: 60 Prozent der Befragten in der Erhebung «Zusammenleben in der Schweiz» des Bundesamts für Statistik glauben, dass Rassismus ein ernstzunehmendes gesellschaftliches Problem ist. 2019 haben Vorfälle mit rechtsextremem Hintergrund erstmals erkennbar zugenommen. «Wie die Ereignisse im Ausland zeigen, muss diese Tendenz ernst genommen werden und darf nicht unterschätzt werden.»

 

Der Bericht kann auf Deutsch, Französisch und Italienisch unter www.network-racism.ch heruntergeladen und bestellt werden bei: Beratungsnetz für Rassismusopfer, Tel. 031 302 01 61, beratungsnetz@humanrights.ch.


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