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Schweizer Millennials schätzen Erfahrung mehr als Status

Trotz wachsenden Wohlstands und vielfältiger Möglichkeiten scheint die jüngere Generation skeptisch zu sein gegenüber der Welt und ihrem eigenen Platz darin. Das zeigt der Millennial Survery 2019 der Unternehmensberatung Deloitte.
04. Juli 2019 - PD/MIG

Angesichts des anhaltenden technologischen und gesellschaftlichen Umbruchs sind viele Gen Y (Millennials) ent­täuscht von traditionellen Institutionen: Sie sind skeptisch gegenüber den Zielen der Unternehmen und wenig optimistisch gegenüber wirtschaftlichem und sozialem Fortschritt. Dies ist das Ergebnis des Deloitte Millennial Survey 2019. Der Bericht basiert auf den Ansichten von 13’416 jungen Menschen aus 42 Ländern im Alter von 24 bis 35 Jahren. In der Schweiz nahmen 319 Millennials an der Umfrage teil. 

«Von der globalen Finanzkrise vor einem Jahrzehnt bis zur vierten industriellen Revolution – Millennials sind während einer einzigartigen Zeit aufgewachsen, die sich stark auf soziale Beziehungen, Vertrauen, Privat­sphäre, soziale Mobilität und Arbeit ausgewirkt hat», sagt Reto Savoia, CEO von Deloitte Schweiz. «Diese Unsicherheit widerspiegelt sich in ihrer kritischen Haltung gegenüber Politik, Wirtschaft und Führung allge­mein sowie in ihrer Sehnsucht nach einem positiven gesellschaftlichen Wandel. Als Führungskräfte müssen wir uns weiterhin mit den Themen befassen, die bei der jüngeren Generation am meisten Beachtung finden.»

 

Es dreht sich nicht alles ums Geld

Die Generation der Millennials steht jetzt mitten im Leben und hat andere Ambitionen als die vorherigen Generationen: Ähnlich wie in anderen entwickelten Ländern schätzen die Schweizer Millennials Erfahrungen derzeit mehr als einen hohen Lohn. Die Welt bereisen steht in der Schweiz zuoberst auf der Wunschliste (61 Prozent), gefolgt von der Gründung einer Familie mit 47 Prozent. Während sich auf globaler Ebene 52 Prozent der Befragten von einem hohen Gehalt und Wohlstand angezogen fühlen, sind es in der Schweiz nur 42 Prozent. Dieser Unterschied dürfte auf den beachtlichen Wohlstand in der Schweiz zurückzuführen sein, der sich in hohen Durchschnittslöhnen und niedrigen Arbeitslosenzahlen widerspiegelt.

 «Da die meisten Schweizer Millennials viele Erfahrungen sammeln und eine Familie gründen wollen, sollten es Unternehmen ihren Mitarbeitenden zum einen ermöglichen, bei der Arbeit viel zu lernen und neue Fähigkeiten zu entwickeln. Unternehmen, die junge hochqualifizierte Talente gewinnen wollen, sollten zum anderen flexible Arbeitsbedingungen schaffen: Sie müssen den Mitarbeitenden helfen, die Arbeit auf ihre Lebensziele abzustimmen – dies ist besonders wichtig in der Schweiz, wo die staatliche Unterstützung für Familien gering ist», sagt Myriam Denk, Partnerin und Human Capital Lead bei Deloitte Schweiz.

 

Begrenzter Optimismus unter den Schweizer Millennials

Obwohl die Schweizer Millennials mit ihrem Leben allgemein recht zufrieden sind, schätzen sie die wirtschaft­liche Zukunft weniger optimistisch ein als junge Menschen in den meisten anderen Ländern. Nur 14 Prozent (Vorjahr: 31 Prozent) glauben, dass sich die wirtschaftliche Situation in der Schweiz in den nächsten 12 Monaten verbessern wird, verglichen mit 26 Prozent der weltweit Befragten. Ein ähnliches Bild ergibt sich, wenn es um die politische Stimmung geht. Nur 16 Prozent (Vorjahr: 19 Prozent) der Schweizer Millennials erwarten eine Verbesserung der sozialen und politischen Situation in den nächsten 12 Monaten, verglichen mit 22 Prozent weltweit.

«Der bereits hohe Lebensstandard der Schweiz dürfte einer der Hauptgründe für den verhaltenen Optimis­mus sein. Da es uns bereits sehr gut geht, sind Fortschritte nicht mehr offenkundig spürbar. Dennoch sollten wir uns nicht auf unseren Lorbeeren ausruhen, sondern uns weiterhin anstrengen und Selbstzufriedenheit vermeiden», erklärt Reto Savoia. Zu den optimistischsten aller untersuchten Länder gehören China, Indien, Indonesien, Nigeria und die Philippinen – allesamt weniger wohlhabend, aber mit hohen Wachstumsraten und rasanter Entwicklung in den letzten Jahren.

 

Wachsende Besorgnis über den Klimawandel

Ein weiterer möglicher Grund für die gedämpfte Stimmung der Schweizer Millennials ist der Klimawandel: 40 Prozent der Befragten sehen darin die wohl grösste Herausforderung unserer Zeit. Dahinter folgt das Gesundheitswesen, das 19 Prozent als eines der wichtigsten Anliegen aus 21 Themen ausgewählt haben: Traditionell bedeutende Themen wie Arbeitslosigkeit (16 Prozent), Einwanderung (11 Prozent) oder Wirtschaftswachstum (7 Prozent) liegen weit zurück.

Wegen ihrer Klimabedenken fordern viele Millennials in der Schweiz, dass sich Unternehmen bewusster werden, wie sie Umwelt und Gesellschaft beeinflussen – sei es positiv oder negativ. Knapp die Hälfte (43 Prozent) der Befragten hat eine Beziehung zu einem Unternehmen auf- oder ausgebaut, weil sie glaubt, dass sich Produkte oder Dienstleistungen des Unternehmens positiv auf Umwelt oder Gesellschaft auswirken.

«Der Klimawandel stand bereits während der Befragung im vergangenen Dezember und Januar zuoberst auf der Agenda der Millennials – und nicht erst seit Beginn der Schulstreiks und der intensivierten Medienberichterstattung. Gemäss unserer Umfrage bereitet Schweizer Millennials die Umwelt viel mehr Sorgen als die Wirtschaft. Dadurch könnte sich nicht nur die politische Landschaft, sondern auch das Verhältnis zwischen Unternehmen und Konsumenten nachhaltig verändern», sagt Myriam Denk.

 

Wirtschaftsführer mit geringerem Ansehen als Politiker

In Übereinstimmung mit früheren Umfragen äussern die Schweizer Befragten wenig Wertschätzung gegenüber politischen und wirtschaftlichen Führungskräften. 68 Prozent (73 Prozent weltweit) sagen, dass politische Entscheidungsträger keinen positiven Einfluss auf die Welt haben, während 64 Prozent (54 Prozent weltweit) dasselbe über Entscheider aus der Wirtschaft denken. Zudem haben nur 16 Prozent (10 Prozent weltweit) der Schweizer Millennials «viel Vertrauen» in politische Entscheidungsträger, 14 Prozent (15 Prozent weltweit) geben auf die Frage nach Führungskräften aus der Wirtschaft die gleiche Antwort.

«Entscheidungsträger aus Wirtschaft und Politik haben ein schlechtes Image bei den Millennials – in der Schweiz und weltweit. Das ist beunruhigend und wir müssen es ernst nehmen, vor allem im Hinblick auf die anstehende Abstimmung über eine Vorlage zur Konzernverantwortung», sagt Reto Savoia. «Führungskräfte aus Wirtschaft und Politik müssen besser und mehr mit der Bevölkerung kommunizieren. Schweizer Unternehmen sollten daher ihre Anstrengungen intensivieren und systematisch Informationen über ihren Einfluss auf Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt bereitstellen.»

 

Neuartige Technologie- und Medienlandschaft

Direkte Kommunikation erscheint als Königsweg, um Vertrauen wiederherzustellen: Viele Millennials miss­trauen nämlich auch den traditionellen Medien und haben ein widersprüchliches Verhältnis zu den sozialen Medien. 48 Prozent der Befragten geben an, dass die Presse und das Fernsehen die Welt negativ beeinflussen. 25 Prozent sagen, dass sie «Null Vertrauen» in die traditionellen Medien haben. Diese Schweizer Ergebnisse entsprechen weitgehend den globalen Resultaten.

Auf die Frage nach der persönlichen Nutzung digitaler Geräte und sozialer Medien gibt zwar eine Mehrheit (56 Prozent) der Schweizer Millennials (71 Prozent weltweit) an, dass sie ein positives Gefühl hat. 61 Prozent glauben aber, dass sie glücklicher wären, wenn sie weniger Zeit in den sozialen Medien verbringen würden, 59 Prozent sind der Meinung, dass sie dadurch körperlich gesünder wären. Eine Mehrheit von 60 Prozent sagt zudem, dass soziale Medien mehr schaden als nützen.

«In Übereinstimmung mit anderen Studien deuten unsere Ergebnisse darauf hin, dass soziale Medien abhängig machen können. Einige Technologieunternehmen haben diese Gefahr bereits erkannt und sind sich auch der negativen Auswirkungen ihrer Geräte und Apps bewusst. Sie haben gehandelt und stellen den Menschen technische Massnahmen zur Verfügung, um sich ihres Konsums besser bewusst zu werden und ihre Nutzung gezielt einschränken zu können. Allerdings müssen Millennials auch selbst lernen, wie man mit den Schattenseiten der digitalen Technologie umgeht», erläutert Myriam Denk.

 

Bedenken wegen Datenschutz und Cyber-Sicherheit

Auch Millennials kaufen online ein oder registrieren sich auf Webseiten, um Informationen zu erhalten. Allerdings sind 76 Prozent der befragten Schweizer Millennials besorgt darüber, wie Unternehmen personen­bezogene Informationen sammeln. 58 Prozent sind der Meinung, dass Social-Media-Plattformen mehr Anstrengun­gen unternehmen müssen, um Daten zu schützen und die Online-Sicherheit zu verbessern. 43 Prozent glauben jedoch, dass auch der oder die Einzelne selbst mehr Verantwortung übernehmen muss.

«Wenn Unternehmen weiterhin Produkte und Dienstleistungen an Millennials verkaufen wollen, müssen sie vermehrt auf ihre Reputation achten, denn Millennials lassen ihren Worten Taten folgen. Darüber hinaus erkennt die jüngere Generation die Widersprüche der digitalen Technologien und sucht Unternehmen, die ihnen dabei helfen, damit umzugehen und sich auf eine neue Normalität einzustellen. Umschulung und Ausbildung für die Herausforderungen der Industrie 4.0 muss daher eine Priorität werden», fügt Reto Savoia hinzu.

Der Millennial Survery 2019 steht kostenlos zum Download bereit.

 


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