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Sind soziale Medien doch besser als ihr Ruf?

Soziale Medien und Suchmaschinen wirken sich günstig auf die aktuelle Information durch Nachrichten und deren Vielfalt aus, schränken diese aber nicht ein. Eine neue Studie stellt damit Bildung von Filterblasen und Echokammern im Internet infrage.
25. Februar 2020 - MIG

Die Ende Januar 2020 veröffentlichte Studie von Wissenschaftlern der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU), der Universität Hohenheim und dem GESIS – Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften in Köln zeigt mittels Messung des Web-Browsing-Verhaltens von mehr als 5000 deutschen Internetnutzern, dass die Nutzung von Plattformen wie Facebook, Twitter, Google oder Portalen wie GMX den Besuch von Nachrichtenseiten generell fördert und auch mit einer grösseren Vielfalt besuchter Nachrichtenseiten verbunden ist. Damit widersprechen die Wissenschaftler der gängigen Ansicht, dass die Nutzung von Social Media und Suchmaschinen – gesteuert durch Algorithmen – oft nur in «Filterblasen» stattfindet. Also, dass Nutzerinnen und Nutzern nur solche Informationen angezeigt werden, die ihren Interessen und Neigungen entsprechen.

«Wer Facebook oder Google besucht, kommt mit einer grösseren Wahrscheinlichkeit mit Nachrichten in Kontakt. Die Nutzung dieser Intermediäre (Facebook, Twitter, Google & co. Anm d. Red) ist daher ein wichtiger Mechanismus für den Konsum von Nachrichten im Internet”, wird Frank Mangold von der Universität Hohenheim im PR-Journal zitiert. Das Forscherteam führt dies auf das Konzept der zufälligen Rezeption von Nachrichten zurück. In traditionellen Medien wie Fernsehen und Zeitung sehen Bürgerinnen und Bürger Nachrichten oft nur, wenn sie diese bewusst auswählen. Auf intermediären Plattformen kommen Menschen auch zufällig mit Nachrichten in Berührung, so zum Beispiel, wenn ihre Kontakte Nachrichteninhalte teilen oder sie beim Abrufen von E-Mails auf interessante Artikel stossen.

Die Studienergebnisse haben nach Einschätzung der Wissenschaftler Auswirkungen auf Politik und Gesellchaft, weil sie der Bildung von Filterblasen oder Echokammern widersprechen. «Bisherige Debatten haben sich in vielerlei Hinsicht um die Befürchtung gedreht, dass Online-Medien zur Entstehung neuer Mauern in der Gesellschaft führen», sagt Michael Scharkow, Professor an der JGU. «Unsere Ergebnisse zeigen demgegenüber, dass soziale Medien und Suchmaschinen durchaus das Potenzial haben, bestehende Mauern zu überwinden.»

«Speziell aus bisherigen Studien der Universität Oxford wissen wir aber, dass dieser Zugang zu Nachrichten zum Teil zufällig ist, zum Teil aber auch durchaus bewusst passiert. Manche Nutzerinnen und Nutzer besuchen eben auch Facebook, Twitter und Co. mit dem Ziel, dort Nachrichten zu konsumieren», ergänzt Dr. Johannes Breuer von GESIS.

Laut Studienautoren sind nun weitere Studien und genauere Einblicke in die Algorithmen von Intermediären notwendig, um genauer zu verstehen, wie der unbeabsichtigte Nachrichtenkonsum gefördert wird.

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