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Wie nützlich ist TikTok für die Reputation als Arbeitgeber?

Mehr als 800 Millionen aktive Nutzer pro Monat und mehr als 2 Milliarden Downloads: Das macht die TikTok-Plattform auch für Unternehmen und das Emplyoyer Branding interessant – vor allem weil dieses soziale Netzwerk vor allem von jüngeren Menschen geschätzt wird, Wie lässt sich TikTok gezielt nutzen?
03. September 2020 - Marcel Fustier*

TikTok wurde 2016 in China gegründet und ist eine Anwendung für den Austausch von Kurzvideos. Dieses soziale Netzwerk unterscheidet sich also von anderen (Instagram, Facebook, Twitter...) durch sein Format. Keine Fotos, keine schriftlichen Beiträge... Nur Videos von 15 bis 60 Sekunden Länge. Diese scrollen im Auto-Play (automatisch) im Nachrichten-Feed der Benutzer. Kein Nutzer muss Abonnent sein, um Videos zu entdecken. Der Algorithmus von TikTok liefert den Benutzern Inhalte, die ihnen wahrscheinlich gefallen und mit denen sie interagieren werden, basierend auf ihren früheren Vorlieben und Kommentaren.

Nahezu 90 Prozent der auf dieser Plattform angebotenen Inhalte sind Playback, Musikvideos mit Tanz oder humorvollen Sketchen. Die Idee? Leichte und unterhaltsame Inhalte anzubieten. Im Gegensatz zu YouTube, wo professionelle Videos viele Nutzer animieren, auf Profis (ein Studio, Redakteure und modernste technische Ausrüstung) zu setzen, bevorzugt TikTok authentische Inhalte von Laien, die auf Smartphones gefilmt wurden. Dank Filtern und Beschleunigungs- oder Zeitlupeneffekten ist es möglich, kleine kreative und originelle Clips zu erhalten.

TikTok wird hauptsächlich von jungen Menschen zwischen 16 und 24 Jahren verwendet. Was die Geschlechterverteilung betrifft, so sind Frauen mit 57 Prozent in der Mehrheit, verglichen mit 43 Prozent der Männer.

 

TikTok und Employer Branding

Gemäss einer Studie der Agentur Havas ist TikTok das beliebteste soziale Netzwerk der Schweizerinnen und Schweizer bis 26 Jahre. Und wenn die Anwendung hauptsächlich von Privatpersonen genutzt wird, lassen sich immer mehr Marken darauf registrieren. Dennoch sind diese Unternehmen meist US-amerikanisch oder, um ein europäisches Beispiel zu nennen, französisch. Wir können unter anderem Sephora, Merci Handy, Universal Music zitieren... In der Schweiz haben noch wenige Unternehmen in TikTok investiert, was eine Chance bietet, sich von der Konkurrenz abzuheben.

Darüber hinaus profitiert TikTok von einer unglaublichen Reichweite. Ein Beitrag kann in nur wenigen Stunden Tausende von Ansichten generieren. Schnell kann man zu einem echten Influencer auf der Plattform zu werden. Diese Reichweite ist interessant, denn in anderen sozialen Netzwerken (Instagram, Facebook, Snapchat, Twitter...) muss man Geduld haben, um solche Ergebnisse zu erzielen.

Allerdings ist TikTok nicht für alle Unternehmen geeignet. Vor dem Start auf TikTok wie auf anderen Plattformen, ist es wichtig, die Ziele zu definieren, auf der die Strategie in der Kommunikation aufbauen sollte. Wer als Personalmanager junge Auszubildende oder Praktikanten unter 24 Jahren sucht, ist bei TikTok richtig. Auch Millennials, die sich als angehende Führungskräfte eignen, lassen sich hier ansprechen.

Darüber hinaus sollte das eigene Unternehmen zu dem unterhaltsamen Image der Plattform passen – angesagt sind eher Plaudereien über Kosmetik, Reisen und Musik statt harte Fakten, zum Beispiel aus der Bankenwelt.

Was nach wie vor an TikTok stört: Da das Netzwerk einer chinesischen Gruppe gehört, sind die AGBs recht vage, die Nutzung der Daten ist extensiv und der Schutz von Minderjährigen so gut wie nicht existent. In der Tat beklagen viele Menschen sehr suggestive Videos auf TikTok.

Sollte ein Unternehmen dort trotzdem investieren? Es gibt keine richtige oder falsche Antwort. TikTok ist ein wachsendes soziales Netzwerk, das für Unternehmen mit einem jungen Zielpublikum viele Vorteile bietet. Es ist daher interessant, eine erfolgreiche Rekrutierungsstrategie in diesem sozialen Netzwerk zu implementieren und dabei darauf zu achten, Fehler zu vermeiden. Allerdings muss man sich der Kritik an der Plattform bewusst sein, insbesondere in Bezug auf den Datenschutz.

Fakt ist: TikTok verstärkt den Trend, die Nutzung der sozialen Medien in der Recrutierung einzubeziehen. TikTok sollte als soziales Netzwerk genau beobachtet werden – auch mit Blick darauf, wo sich begehrte Zielgruppen aufhalten. Allerdings lernen auch andere Plattformen hinzu. Instagram hat zum Beispiel gerade «Reels» eingeführt – eine Funktion, die in direkter Konkurrenz zu TikTok steht.

 

*Marcel Fustier ist Projektleiter bei Jobcampaing, einer Agentur für Markenarbeit und Personalmarketing.


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