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Wie werden technische Berufe attraktiver für Frauen?

Die Zahl der Frauen in der Informatik, in naturwissenschaftlichen Studienfächern und technischen Berufen nimmt kaum zu. Das hat Auswirkungen auf die Talent-Pipeline und die Diversität in Unternehmen. Arbeitgeber, Lehrer und Eltern sollten daher Verdienstmöglichkeiten für Frauen stärker thematisieren.
22. Oktober 2019 Michaela Geiger

Gemäss Zahlen des Bundesamtes für Statistik zu den Abschlüssen an Fachhochschulen (FH) dominierten in gesundheitlich oder sprachlich ausgerichteten Fächern 2018 die Studentinnen mit Anteilen von zumeist über 80 Prozent. Dagegen wurde weniger als eines von zehn Bachelor-Diplomen in Elektrotechnik oder Informatik einer jungen Frau verliehen. Der jüngste Bildungsbericht kommt daher zu dem Ergebnis: «Die ungleiche Verteilung von Frauen und Männern auf die einzelnen Lehrberufe hat sich trotz Schaffung neuer Lehrberufe nicht vermindert.»

Die offiziellen Zahlen zum Beispiel der EPFL Lausanne bestätigen diese Beobachtung. Zwar hat sich der Frauenanteil in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt, doch noch immer sind von den rund 11’000 Studierenden nur knapp 25 Prozent weiblich, die Hälfte davon aus asiatischen Ländern. Anders sieht es an der nahe gelegenen Universität Lausanne (UNIL) aus: Die Mehrheit der 15’400 Studierenden der UNIL sind Frauen, wenige stammen aus Asien. Nur die Fakultäten Business and Economy (HEC) sowie exakte und Naturwissenschaften bleiben männlich dominiert.

Dass Frauen in den Mint-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) deutlich untervertreten sind, trage zum statistischen Lohnunterschied zwischen den Geschlechtern bei, schreibt die NZZ. Denn von der Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt und der Suche der Unternehmen nach bestimmten Berufsprofilen hängt auch ab, wieviel Lohn bezahlt wird. Mit der zunehmenden Digitalisierung der Wirtschaft dürfte sich das Ungleichgewicht noch verstärken.

Warum Frauen trotz besserer Verdienstmöglichkeiten nicht mehr in «männliche» Berufe gehen, beschäftigt auch die Wissenschaft. Die Studie «Girls’ comparative advantage in reading can largely explain the gender gap in math-related fields» von Thomas Breda und Clotilde Napp kommt zu dem Schluss, dass junge Frauen sich durchaus «rational» verhalten, wenn sie sich für einen Weg entscheiden, der ihnen den besten Notendurchschnitt verspricht. In Zeiten, in denen erwachsene Frauen ihren Lebensunterhalt selbst verdienen, könnte es daher Sinn machen, Möglichkeiten für eine spannende Karriere mit guten Verdienstmöglichkeiten stärker zu thematisieren und in das Employer Branding mit einzubeziehen.

 

 

 

 


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